Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Der Jüdische Student den Schritte zu skizzieren versucht. Es sind das! vor allem: 1. Sammlung aller Bundesbrüder, die nach Palästina zu gehen versuchen wollen; 2. Errichtung eines Palästinaressorts1; 3. sofortige ■ Inangriffnahme der Beratungen über die Möglichkeiten für jeden einzelnem und für die Gesamtheit, ihr Ziel zu erreichen, 4. gemeinsam--kontrolliertes Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas; 5. Verbot zur Gründung neuer Fonds/ von denen jeder ein paar hundert Mark einbringt, die aber bei ihrer bereits vorhandenen Anzahl und unserer geringen pekuniären Kraft nie ausreichen werden, um wirklich jer mandem zu helfen, die dagegen unsere verfügbaren Gelder-verzetteln und unsere freiwilligen Steuern über alles gesunde Maß' vergrößern. Alles verfügbare Geld sollte in eine Kasse fließen, die der Palästinasache dann nützen könnte. Die energische, sofortige Inangriffnahme unserer Palästinasache ist aber auch aus innerpolitischen Gründen, wenn ich so sagen darfnotwendig. Denn sie ist imstande, die Kräfte vieler Bundesbrüder zu binden, die im jüdischen Golusleben kein befriedigendes Betätigungsfeld finden. Die großen,% innern Zwistigkeiten, die unter der ältern bundesbrüderlichen Generation ausgebrochen sind und immer stärker das öffentliche Kartelleben zu beherrschen drohen, sind unfruchtbar und ohne Lösungsmöglichkeit, weil ihre tiefere Ursache nicht nur im Charakterunterschied der Betreffenden, sondern im Wesen und der Zusammensetzung unseres; K. J. V. liegt. Unsere jüdischen Studentenverbindungen sind nach jüdisch-politischen Richtungen orientiert und stehen sich nicht feindlich gegenüber. Wer Zionist ist oder dazu neigt, kommt zu uns. Den Ausschlag beim Eintritt gibt der neue Zionist, weniger seine menschliche Sympathie. Der Zionist in jedem Bundesbruder muß also, wenn er darnach verlangt, auf seine Rechnung kommen. Und das sind ein großer Teil der älteren Bundesbrüder nicht. Ihnen war es nach ihrer Charakteranlage nicht gegeben, ihr jüdisches aktives Interesse im Golusleben befriedigend betätigen zu können. Ihnen hat ihr eigenstes Arbeitsfeld gefehlt, das in Palästina Hegt. Daher die dauernden Reibungen und Zwistigkeiten Guter gegen Gute und die Parteinahme vieler anderer, die fühlen, daß sie in die Fußstapfen ihrer „Führer" dereinst treten müssen. Dieser innere Zwist wird sich unaustilgbar durch alle K. J. V.-Generationen fortschleppen, wenn nicht dem einen Teil der Bündesbrüder ihr eigenstes Betätigungsfeld eröffnet wird. Diesen Bundesbiüdern ihre Ari beit zuzuteilen, ist unsere dringende Aufgabe. Und diese Arbeit liegt I in der Schaffung einer Möglichkeit für sie* bald nach Palästina zu gehen. Darum müssen wir damit beginnen und gieich jetzt, auch I mitten im Kriege. Ich bitte Euch daher einen Beschluß' oder eine bindende Resolution zu - fassen, die m,eine oben aufgezahlten For* derungen zu erfüllen sucht." Ich bitte darüber keine zu große Debatte, zumal da vieles überholt ist. Ich liabe mich überzeugt, daß hei vielen Bundesbrüdern diese Ansicht vor-