Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537728--4136-3541881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wenig komplizierte" Natur ist, hat sich drüben verhältnismäßig wohlgeiühlt und lebt in seinem« Kreise, Er ist ein Pionier unserer Sache. Es gibt solche, bei denen der Intellektualismus überwiegt, wie bei den meisten von uns.* Bei diesen ist ein größerer Schwung nötig, damit siesich dort mit dem primitiven Leben abfinden können; ist dieser Schwung groß genug, so werden sie drüben bleiben. Sodann kommt ein Drittes hinzu; ich glaube, daß die Zahl der westlichen Juden in Palästina solange gering sein wird, als nicht die wirtschaftlichen und politischen Vorbedingungen geschaffen sind. Das Schützengrabenleben nach Palästina hinüberzupflanzen ist nicht nötig, vielmehr müssen die Leistungsfähigsten von uns hinübergehen als Führer und Pioniere, so wie heute junge Engländer nach Indien und Deutsche nach Südwestafrika. Wenn oie Bedingungen dies niemals gestatten sollten, was wir nicht hoffen wollen, so wird solche Auswanderung in größerem Umfange nicht stattfinden. Deshalb brauchen wir auch nicht die theoretische Trennung zwischen Blau-Weißen und K. J. V. zu machen, von denen die ersteren durch' den .Wandervogelsport für Palästina erzogen werden sollen, während die letzteren durch Mangel solcher Erziehung oder zu vieles Biertrink en hierfür verdorben sein sollen. Jm Grunde ist die Erziehung von Blau-Weißen und K. J. V.ern sehr ähnlich* Daß Nüancen in der Entwicklung da sind, will ich ja gerne zugeben. Diese Dinge als Erziehungsprobleme aufzubauschen, erscheint mir aber verfehlt. Berliner: Liebe Bundesbrüder! Ich habe nur den Auftrag, einen Brief von Leonhard Peritz zu verlesen. „im Kriege hat es keinen Sinn und Zweck, mit Palästmabestrc- Hungen sich zu befassen. Denn niemand kann ja wissen, wie sich in Zukunft Palästinas Geschicke gestalten werden." Diese und ähnliche negative Weisheiten hört man allenthalben in bundesbrüüerlicheii Kreisen, und vielen, die es hören, entfällt der Mut, auf eine Zukunft ■in Palästina für £ich zu; hoffen. Und doch geht aus solchen Beweisführungen nur hervor, wie gering die Tafkraft und der gute Wille in unserim Kreise ist, wie leicht- \ . fertig und schnell unsere große Aufgabe immer wieder hinausgeschoben wird. Wenn man die Sachlage genau betrachtet, so erkennt man schnell, daß das Ungewisse in Palästinas Schicksal nur in seiner politischen Entwicklung liegt, die unzweifelhaft ihre hemr mende oder fördernde Wirkung ausüben wird, daß aber: die wirtschaftlichen und agxikulturellen Verhältnisse, die vorläufig altein für tins in Frage kommen, nach dem Kriege nicht wesentlich andere sein r werden als vor ihm. Unsere Aufgabe ist es, vor allen politi- I sehen zuerst die* B e s i e d e 1 u n g sfrage zu lösen. Diese; »Detailarbeit ist völlig unberührt vorm Kriege, besonders was die Vorarbeit v . dazu betrifft. Daher wäre es eine unentschuldbare Sünde, würden die Arbeiten weiter verschoben und auf unbestimmte Zeit damit aufgehoben werden.; . r : Die Frage, was jetzt bereits zu tun sei, habe ich in einet» Aufsätze jridnem der letzten J^St-en zu beantworten und die nächstliegen-