Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Der Jüdische Student Die Blau-Weißen, behauptet Moses, haben. die menschliche Erziehung: in den Vordergrund gestellt. Erziehung heißt doch, daß einzelne die Jugendzu ihreni Ideal heranziehen wollen. In Wirklichkeit ist die Erziehung im Blau-Weiß eine andere gewesen. Es mögen allerdings einzelne dagewesen sein, die die Absicht hatten, die Jugend heranzubilden; was aber für mich, das Erstaunlichste war, das ist, daß diese Jugend ja gar nicht von uns erzogen wurde, sondern, daß wir auf einmal eine Jugend sahen, die sich selber zu etwas ganz anderem erzogen hatte. Anfangs: glaubte ,mani im Blau- Weiß, wir brauchten diese Menschen nur natürlich zu erziehen, damit sie zum Judentum kämen. Dies hat sich umgekehrt entwickelt, als wir Erzieher es uns damals gedacht haben. Wenn also hier Einzelerziehung als eine selbstverständliche Folge aus dem Gemeinschaftsleben herausgewachsen, ist, wenn alles aus der Gemeinschaft herausgekommen ist, so glaube ich nicht, daß man sagen kann, daß der Blau-Weiß vor allem au; Einzelerziehung; beruhe. Moses sagt, daß das K. J. V. im Gegensatz zum Blau-Weiß nicht durch Einzelerziehung, sondern nur durch Organisation habe wirken wollen. J-u. aber die Organisation war ja gerade das Mittel der Erziehung für das K. J. V. Wer als starke eigenwillige Individualität eintrat, wurde durch die Organisation und Korporation im K. J. V. erzogen. Der Gegensatz von Blau-Weiß und K. J. V. scheint mir vielmehr in zwei anderen Punkten zu bestehen. Es' liegt in allererster Linie daran, daß die Blau-Weißen ganz jung sind, und es ist wohl sicher, daß eine Organisation für Kinder noch nicht möglich ist. Wie ein Kind sich seiner Art nach gegen die Schule sträubt, während wir Erwachsene uns viel mehr fügen, weil wir das Ziel erkennen, so wird eine straffe Organisation überhaupt nicht das geeignete Erziehungsmittel für diese Stufe sein. Moses sprach davon, daß die Blauweißen zur Enthaltsamkeit it. dgl. neigten und schon dadurch auf Palästina gut vorbereitet wären. Wenn ich zurückdenke, so muß ich freilich sagen, daß sich die Jungen behaglich fühlten in der Einfachheit, — die Jungen als solche können sich eher ent halten, —ldaß aber die älteren Blau-Weißen doch schon geneigt sind, sich auch unterwegs manche Bequemlichkeit zu gönnen. Das zweite, was mir noch wichtig erscheint, ist, daß im Blau-Weiß, der Gedanke einer jüngeren Generation ausgesprochen worden ist. Es handelt sich da wirklich um einen Gegensatz gegen den Gedanken ider Korporation und es gibt — ich möchte das gegenüber Karl Glaser betonen — wirklich im K. J. V. eine Blau-Weiß-Frage. Es gibt Blau-Weiße, die sich gegen die Organisationsiorni des K. J. V. sträuben, una ich weiß Fälle, wo diese nur mit Mühe im K. J. V. festgehalten werden konnten, solche, die nicht an einem bestimmten Abend auf. die Kneipe kommen, sondern etwas anderes vornehmen wollten. Etwa Menschen, die aus: dem Felde gekommen sind, in der Garnison dienstlich in Anspruch genommen sind, und nurc ihre paar Abende, die sie frei haben, lieber in ihrem BIau-Weiß-Kreisev mit Hebräisch - Lernen, jüdischer Geschichte usw.y als auf der Kneipe