Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Der Jüdische -Student machen hat unserer Arbeit einen anderen Sinn gegeben. -Diese unpersönlichen Forderungen eines Nationalismus, die eigentlich immer nur das Resultat ^bewerteten, unbekümmert um die Interessen des' Einzelnen die zu einem formalen Nationalismus führten^ dem, wie Oskar Epstein" im Juden schrieb, es nur auf äußere Unterscheidungsmerkmale ankommt,, von denen er glaubt, daß sie mehr oder weniger von selbst den Inhalt hervorbringen werden* erwiesen sich als unzureichend, um eine „Umkehr des Menschen" zu bewirken. Bei der Verknüpfung von Judentum und Menschen tum konnte das Judentum, das Jüdisch werden nur eine Bedingung, vielleicht die notwendige für ein höheres Menschentum sein. Aber eine seltsame Verkennung war es, zu glauben, daß mit der Erfüllung bestimmter Forderungen, tnii dem Wissen von jüdischen Dingen, mit dem Erlernen einer Sprache plötzlich ,<das große Erleben der Wandlung kommen müßte. Aus einer tiefen Sehnsucht nach eigenen Werten, die das wiedererwachte nationale Gewissen erzeugte, aus der Selbsterkenntnis des irregewordenen nationalen Instinktes hat man die Form des Jüdischen bewußter betont, als es die Natürlichkeit des Inhalts vertragen kennte. Die falsche Vorstellung einer angeblichen durch Anpassung an das fremde Milieu entstandenen Assimilation hat umgekehrt zu dem Glauben: verleitet, sich jetzt wieder an das Judentum, assimilieren zu müssen, um sich von jener zu befreien. Gleich Achad Haam sah man im Judentum auch die Weltanschauung, die die menschliche Erneuerung bewirken werde, ohne zu begreifen, daß ein lebendiges Volk solchem dogmatischem Festlegen widerspricht und daß Kultur als Gesamterscheinimg eines Volkes mir die Form sein kann, deren Füllung mit Inhalt stets der Persönlichkeit des Einzelnen überlassen bleibt. Man mag diese Auffassung i egozentrisch schelten, man mag sie für eine neue Erscheinung jenes übelbeleurnundeterr Individualismus halten, den wir vergebens stets bekämpft laben. Ich aber glaube, daß die Erhöhung des Einzelnen Voraussetzung ist für die Höhergestaltung der Gemeinschaft und in dem Worte Pestalozzis: „Laßt uns Menschen werden, damit wir Staaten werden können", sehe ich den Weg unserer Zukunft. Ich will den Wert nationaler Forderungen nicht verkennen, ich Weiß, daß diese als Bedingungen unseres völkischen Lebens notwendig sind und von uns geschaffen werden müssen. Ich weiß aber auch, daß die Befreiung eines Volkes einzig und allein abhängt von 'dem Stoß und Sturm seiner sittlichen Elemente und daß. nur eine in unserem1 Geiste erzogene Jugend uns zu ihr führen Kann. Wir haben unser Kartell oft als eine Erziehungsgemeinschaft bezeichnet,, ohne eine wirkliche Gemeinschaft zu sein und obwohl wir der Erziehung nie gerecht geworden sind. Im Blau-Weiß sehe ich beide Aufgaben besser erfüllt. Der Blau-Weißj hat die Form ' wahrhafter Lebensgemeinschaft .gefunden und sich selbst zu ihr erzogen. Es gibt heute bereits einen Blau-Weißi-Typ, der viel ausgeprägter ist, als der K. J. jV.er Typ und der mit seinem! immer stärker werdendem