Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 13 -werden. Aber die Notwendigkeit, eine Jugend erziehen zu müssen, hat im Blau-Weiß die Beschwerung auf die Erziehung gelegt. Die Not unseres Volkes überzeugt auch uns von der Berechtigung der nationalen Forderungen. Wir glauben jedoch, daß. mit der bloßen Anerkennung der Forderung sehr wenig getan ist und daß einer Erfüllung durch unsere bewußte Erziehung bessere Gewähr geleistet wird. Ich will versuchen, dies an einem Beispiel zu zeigen. Man hat die Forderung erhoben, jeder von uns muß das Opfer bringen und nach Palästina gehen! Man hat gesagt, daß mutige Pioniere drüben notwendig sind, selbst wenn die meisten dort zugrunde gehen müßten, und man hat sehr häßlich von dem Dünger gesprochen, der den Boden für künftige Siedlungen vorbereiten soll. Und tatsächlich haben e'nige Bundes.- brüder die Tat vollbracht, sind nach Palästina gegangen und doch ist ein beträchtlicher Teil zurückgekehrt, weil ihnen das# Leben dort unerträglich schien und weil sie nicht mehr willens waren, ihr ganzes Leben der Konsequenz ihrer Erkenntnis zu opfern. Wir erleben im Kriege es täglich, daß eine Unzahl Menschen für ganz geringe Dinge ihr Leben wagen, und ich bin überzeugt, daß, wenn es darauf ankäme, im Kampf für Zion zu streiten, es keinen unter uns gäbe, der nicht seine Pflicht erfüllen würde. Aber man vergißt eins: eine Tat und viele Taten bedeuten noch nicht das ganze Leben. Und nur wenige mögen es sein, die in einem' ihnen qualvoll dünkenden Leben täglich und stündlich dieses Opfer um einer Idee willen bringen. Die Uebersiedhuig nach Erez Jisroel darf kein Opfer sein, das man fordert. Unsere Erziehung soll es erreichen, daß Palästina das Land unserer Sehnsucht wird, daß Palästina nicht so sehr uns fordert, wie wir für uns Palästina fordern, daft uns ein Leben . hier im Golus in d<£i Berufen eines Rechtsanwalts usw. unmöglich wird und daß uns das Leben eines produktiven arbeitenden Menschen in unserer Gemeinschaft in Enniger Verbindung mit der Natur in unserem Lande die höchste Glückseligkeit bedeutet. Der Wert der Forderung ist im Kartell stets maßlos unterschätzft worden. Wo sind die großen Resultate unserer Arbeit! Wieviel Bundesbrüder lernen wirklich Hebräisch und wer wird bereit sein, nach Palästina zu gehen! Die Erziehung dagegen hat man nie richtig bewertet. Dem Alter entsprechend hat der objektive Streit der Ideen stets die persönliche Beeinflussung verdrängt. Ja, man hat sogar den Bundesbrüdern, die sich kraft ihrer Persönlichkeit eine Gefolgschaft jüngerer Bundesibrüdcr schafften, diese Art des Erziehen®, als nicht ganz klar, stets vorgeworfen. Man mag die Gegenüberstellung von Erziehung und Forderung nur als einen Unterschied in der Methode empfinden. Aus ihm jedoch hat sich vielleicht auch der Inhalt unserer Arbeit geändert Die Erziehungsaufgabe, die die Führer zwang, eine Jugend zu erziehen, ihr zu einer freien Entfaltung ihres Ichs zu verhelfen, sie von den Verzerrungen1 einer Assimilation zu befreien und si;e menschlich größer und wertvoller zu