Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Der Jüdische Student Weiß zu nennen, um den Blau-Weiß-Typ Eüch etwas verständlicher zu machen. Ein 'bedeutungsvoller Unterschied liegt in der Tatsache, daß der Blau-Weiß jünger ist als das K. J. V. und die Kette der Vergangenheit nicht jtnit sich herumzuschleppen hat. All diese großen Diskussionen im |K. J. V., die eine noch nicht überwundene innere Assimilation bei uns ermöglicht, sind im Blau-Weiß; nicht denkbar. „Jüdisches Volk" und „Jüdischer Geist" sind dort keine Probleme mehr und ihre Stellung zum .Deutschtum und Judentum ist so eindeutig bestimmt, daß man bei der Erziehung unserer Jugend, wie bei einem normalen Volk3 mit gewissen Selbstverständlichkeiten rechnen kann. So war es möglich, daß die nationalen Forderungen, die itn K. J. V. in letzter Zeit sich durchzusetzen begannen, im Blau-Weiß viel früher erfüllt wurden. Das Hebräischlernen, die intensive Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Kultur, 'die auf Palästina gerichtete Berufswahl, all diese Dinge sind im Blau-Weiß viel konsequenter und natürlicher getrieben worden, als im KJ.V. Wesentlicher jedoch als die durch die schnellere Entwicklung gekennzeichnete Verschiedenheit ist der Unterschied, der durch das jugendliche Alter entstanden ist.;Das |K. J. V. ist die Vereinigung möglichst sämtlicher national bewußter Akademiker. Seine Bedeutung verdankt es seiner politischen Richtung, und diese hat ihm sein inneres und äußeres1 Gepräge gegeben. Seine Aufgabe ist und war die Erreichung bestimmter nationaler Ziele und der Gang seiner inneren Entwidklung wird durch die Stellung naturnotwendig jmtner radikaler werdender Forderungen bestimmt, die die nationale Bewegung von uns verlangt. Auch im Blau-Weiß hat diese Richtung einen starken Einfluß gehabt und viele der ersten Führer haben in ihm nur ein politisches Mittel gesehen. Aber sein ursprünglicher Zweck, der in nichts anderem bestand, als eine Jugend zu natürlichen und einfachen Menschen zu erziehen, hat immer wieder die persönlichen Erziehungsaufgaben in den Vordergrund gedrängt mnd die politischen Forderungen zurücktreten lassen. Dazu kann die Erkenntnis, daß die Judenfrage nicht so sehr eine Frage deai Judentums, sondern die des Juden ist und daß die „Umkehr des Juden, bei der die Befreiung von der Assimilation nur das Negative bedeutet, und die eine wirkliche menschliche Wandlung verlangt, nur durch eine anders erzogene Jugend erreicht werden kann." Auf den einzelnen Menschen kommt es uns an. Die Erziehung kennt als* xMaßstab nur den Einzelnen, die nationale Forderung dagegen nur die Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft z. B. fordert das Resultat der Disziplin ohne danach zu fragen, ob der Einzelne aus sklavischen Instinkten oder unter schwerer Ueberwindung seiner Herrennatur gehorcht. Für die Erziehung jedoch sind die Motive das Wesentliche. Gewißi ist es nicht so, als1 ob man im Blau-Weiß nur erzieht, im K. J. V. dagegen nur Forderungen erhöbe»