Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Der Jüdische Student Fronten und in allen Lagern haben wir unsere Opfer gebracht, und die Masse unseres Volkes ist in ein Elend; geraten, das jeder Vorstellung spottet. Sollen diese jüdischen Opfer ohne Sinn für das jüdische Volk gewesen sein? Wenn dieser Krieg jnicht ein^innloser Mordrausdi sein soll, muß aus ihm eine neue Welt hervorgehen — eine Welt der Freilieft in der auch unser Volk ein neues, schöneres Dasein findet. Noch liegt alles in blutigem Nebel. Aber es lassen sich doch schon hoffnungsvolle Umrisse der kommenden Dinge erkennen. Vor einem Jahr haben wir die bürgerliche Befreiung der polnischen Juden begrüßt. Sie haben leider ihre Freiheit noch nicht erlangt, noch nicht einmal den Schein von Freiheit, die ihnen die Umwälzung in Polen versprach. Aber das russische Judentum ist wirklich befreit worden. Nicht nur im Sinne der bürgerlichen Rechte, sondern aus den Knechten der russischen Verwaltung sind sie freie Bürger des anerkannten jüdischen Volkes geworden. Mit Stolz und Zuversicht begrüßen wir die befreiten Brüder, besonders ihre akademische Jugend, die sich ihrer geschichtlichen Aufgabe wert erwiesen hat Die Freiheit dieses Teils des jüdischen Volkes ist ein enormer Kraftzuwachs unserer nationalen Bewegung. 1 Wie die bürgerliche Emanzipation des 19. Jahrhunderts einer internationalen Gedankenwelle entsprang, so ist auch die nationale Enitanzipation: der russischen Juden im Einklang mit dem wachsenden Verständnis, das die jüdische Frage in den meisten Ländern und bei allen Völkern findet, und schließlich auch in Deutschland und sogar bei den deutschen Jtuden finden wird. Die furchtbaren Erschütterungen dieses Krieges haben alte Widerstände gebrochen, und wir können die Hoffnung hegen, daß wenn die blutenden Völker wieder eine Kultur- und Menschheitsgemeinschaft begründen, auch unser Volk nicht ausgeschlossen sein wird und die Freiheit erlangt, die es jetzt allgemein zu fordern beginnt. Wenn aus Europas Blutbad, aus unseren! tefuren Bruderblut die Freiheit unseres Volkes erblüht, dann sind unsere lieben prächtigen Jitngens. nicht umsonst gestorben. Die neue Zeit wird die jüdische Frage aufrollen und unsere Bewegung vor große Aufgaben stellen. Wir als Glied dieser Bewegung wollen Schorn jetzt daran gehen, zu beraten, wie wir unsere Form und Inhalt den neuen Aufgaben anpassen, damit wir am Tage der Heimkehr unserer Bundesbrüder sofort mit Entschlossenheit und Erfolg unsere Arbeit aufnehmen können. * Daß dieser Tag bald komme, und daß er uns alle unsere lieben Bundesbrüder gesund wiedergebe, ist der Wunsch, mit dem ich diese Tagung für eröffnet erkläre. Rosenberg: Liebe Bundesbrüder, wir kommen nun zunächst zur Zir- «arameiisetzung des Bureaus. Meinhold Nußbaum: Ich schlage vor, Rosenberg zum ersten Vorsitzenden und Pelz zum zweiten Vorsitzenden, zu. wählen. (Diese werden gewählt und nehmen die Wahl an.)