Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Der Jüdische Student In ungefähr diesen Worten hielt Richard Franck Zwiesprache mit dem toten Bruder, und die Eltern verwahren diesen Brief als heiliges Blatt der Erinnerung an ihre beiden abberufenen Jungen. \5^ir in Hamburg betrauern diesen neuen schweren Verlust aufs schmerzlichste, ist es doch wieder einer unserer hoffnungsvollsten, frischesten jungen Bundesbrüder, der uns genommen ist. Wir hatten Richard in seiner jugendlichen, und doch so männlich entschlossenen, jüdisch so stolzen und selbstbewußten, nac'h adliger Höhe strebenden Art wirklich liebgewonnen und uns noch vieles Gute von ihm versprochen____ Alles zu Ende. Ist endlich einmal diese kummervolle Zeit vorüber, und wir halten dann unseren Gefallenen eine Feier der Erinnerung, so wird das Gedenken Walthers und Richards Franck einer der schmerzlichsten, und doch vielleicht erhebendsten, Augenblicke in dieser erschütternden Totenklage bilden. Isaac Sc!h w abaclher Alfred Katz Ein Jahr ist vergangen, seit Fredy Katz am 4. September 1916 an der Somme den Tod der Edlen gestorben ist. Da mag es mir als seinem Lehrer in besseren Tagen und dem Freunde seiner Jugend vergönnt sein, ihm einige Worte des Gedenkens zü weihen. Alfred Katz wurde am 8. Janiuar 1894 in Hannover, als ältester Sohn eines tüchtigen Kaufmannshauses, geboren, verbrachte aber den größten Teil seiner Jugend in Kiel, wo ich ihn als Sekundaner kennen lernte und Einfluß' auf ihn gewann. Er begann dann 1912 in Freiburg Jura zu studieren, war auch in München und Berlin aktiv, und hat dann während des Krieges 1915 sein Referendarexamen gemacht. Als solcher ist er bei Peronne im Artilleriebeobachtüngstelephondienst gefallen und am 2. März d. J. von Longavesnes, wo er begraben lag, nach Hannover überführt und dort beigesetzt worden. Ich war dabei und hielt ihm den Nachruf. Heute, wo diese auch für mich herbe Stunde vorüber und im Verblassen ist, kann ich ruhig und stili von ihm reden und feststellen, was er war und vielleicht noch hätte werden können, wenn ihm ein gütigeres Geschick geleuchtet hätte. Ich werde immer in ihm den edlen und hingebungsvollen Jungen sehen, als den ich ihn dereinst am schönen Kieler Strande kennen lernte. Alles an ihm war herzerfrischend, Leib und Seele gleich gesund, er war einer von denen, bei denen jeder Aelterö und Alte gern der eignen jungen oder jüngeren Tage gedenken mochte. Und es war Streben in ihm. Er pflegte sogar sein Dasein, ein Tagebuch aus seiner Werdezeit ist noch vorhanden, es steht über aller Eitel-