Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Der Jüdische Student lichkeit ausrufen: „Es ist eine Lust zu leben, heute, in großer Zeit, wie es jetzt eine Lust ist, dem1 Tode ins Auge zu blicken". Bei Hunderten hielte ich dieses Pathos für Phrase: Alfred Wolff wollte es für seine Person wahr, lebendig haben und hat's, obwohl es vielleicht nicht hätte sein brauchen, mit seinem Tode bestätigt. Es ist eben für seine optimistische Art charakteristisch, daß* er an dieser Zeit immer nur das Große, das Gute sah, sehen wollte, nicht das1 sinnlos Zermalmende, das auch ihn schließlich sinnlos zermalmt hat. Wenn der Krieg ihm wie wohl uns allen stärkstes Erlebnis geworden und geblieben war, so zunächst mehr um der historischeu und nationalen Perspektive willen; später aber aus dem' persönlichen Grunde, als der Heeresdienst auch für ihn Wirklichkeit wurde. Bewundernswert, daß ihn all das üble Drum und Dran des Soldatentums, das andere verstimmt und erdrückt, nicht aus dem Gleidigewicht brachte; wenigstens ließ er sich's nicht merken. Sein Feldwebel hat erzählt, daß ihn seine energische Selbstüberwindung und eine famose Kameradschaftlichkeit bei der ganzen Kompagnie besonders beliebt gemacht haben. Dabei war er einer der schwächsten der Kompagnie. Nein, aufs Robuste war sein Leben, auch sein jüdisches Leben nicht eingestellt. Das Muskeijudentum erschien ihm, soviel Verständnis und Achtung er auch dafür hatte, -doch nicht als die Krönung neujüdischer Entwicklung. Seine Natur war geistig gerichtet, aber es wäre töricht, das lals ^unpraktische Freude am Theoretisieren abtun zu wollen. Seine Gedankenarbeit klärte und bereicherte die Geister, und keiner kann seine Fuxenstunden, seine Vorträge und Kurse ohne starke positive Vervollkommnung verlassen haben. Er hat nicht nur Dutzende von Bundesbrüdern dem Kartell gewonnen, sondern noch viel mehr Schwankende dem Kartell erhalten. Seine Keiltätigkeit hörte mit der Aktivmeldung des Fuxen nicht auf, sondern begann da erst. Uebrigens besaß, er eine phänomenale Keilfähigkeit, über die er sich oft selbst amüsierte und um die er viel beneidet wurde. Er hatte nach kurzer Unterhaltung heraus, an welcher Stelle der Keilfux sterblich war. Auch dem Widerstrebenden baute er goldene Brücken von dessen besonderem Anschauungskreis herüber zum Zionismus oder wenigstens zu unserm lebendigen Judentum. In einem 1907 für unser Archiv geschriebenen Lebenslauf hat er selbst zum Ausdruckt gebracht, daß er sich seines Wertes für den V. J. St erst bewußt wurde, als ihm das engere Arbeitsgebiet klar wurde, für das er geschaffen war: die persönliche Erziehung der Jüngeren. Den Schlüssel aber zum Herzen der in seine Obhut Gegebenen fand er in der Anknüpfung rein menschlichpersönlicher Beziehung. Hat ihn je einer, in seelischer Not oder in Arbeitsbedrängnis, vergeblich um Rat und Hilfe gebeten? So war er der geborene, der klassische Fuxmajor und Leibbursch im B. J. C.; so auch wiar es ihm vergömnt, sich, wie kaum ein zweiter, einen