Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 49 alle diese Strahlungen aufgefangen und verschönt zurückgeworfen vom1 Kristall eines künstlerischen Ansrfiauungsvermögens. Man halte nur einmal die Arbeitsgebiete zusammen, denen er sich nadh einander und zuletzt in glücklicher Kombination zugewandt hat: klassische Philologie und Geschichte, jüdische Wissenschaft, deutsche Literatur, Staats- und Volkswirtschaft, Soziologie und — der ganze Komplex der mit der jüdischen Moderne zusammenhängenden Fragen. Viele mögen, in ihrer oberflächlichen Art von all diesen Schalen des Wissens gekostet haben; ihm aber ließ es keine Ruhe, bis^ er, was er arbeitete, auch verarbeitet, verinnerlicht, erlebt hatte. Schon sein Können auf dem engeren Feld der beruflichen Studien hob ihn über den Kreis der Brotwissenschaftler sichtbar hinaus. Seine 32 Jahre waren reich an schönen Anfangserfolgen. Wilairiowitz-Möllendorf, in dessen Hause er verkehrte; halte ihm große Aufgaben zugedacht und ihn der Göttinger Akademie der Wissenschaften für eine neue Bearbeitung des vierten Makkabäerbuches vorgeschlagen. Und die Fälle werden sich an den Fingern einer Hand zählen lassen, daß man in Preußen einem jungen Juden, über dessen zionistische Gesinnung liebevolle jüdische Mitbürger glaubten die Behörden nicht im Zweifel lassen zu dürfen, den Geschichtsunterricht in der Prima und die Prüfung der Abiturienten anvertraut hat. Eine 1913 geschriebene Abhandlung über den Toleranzgedanken in der deutschen Literatur zur Zeit Mendelssohns trug ihm den ersten Preis der Mendelssohn-Toleranz-Stiftung ein, und 1915 wurde schon wieder eine Arbeit von ihm über die Ethik im Staatsleben preisgekrönt. Er freute sich der Erfolge, und er durfte sich freuen. Bei allen diesen Arbeiten leitete ihn ein ausgezeichneter historischer Sinn, der ihm politisch eine gewisse konservative Tendenz formte. Diese konservative Grundstimmung und seine Art, geschichtlich zu denken, geschichtliche Zusammenhänge zu erfassen (vielleicht oft auch nur zu konstruieren), an große Linien geschichtlichen Werdens zu glauben, erkiärt denn auch seine Stellung zum Weltkrieg. Hier klingt zugleich auch eine optimistische Saite mit, die er allmählich zur Dominante meiner ganzen geistigem und seelischen Komposition erhoben hatte. Isfs denn nicht ein blühender Optimismus, noch aus Jammer und Wirrnis dieser Tage, aus all dem Häßlichen, Verlogenen und Grauenhaften die ewigen lüeen von „Einheit und Fortschritt,des Menschengeschlechts" herauszuschälen, wie er es in einer trotz mancher Schwächen reizvollen Studie im Archiv für systematische Philosophie versucht hat? Andere sehen in diesem Krieg nichts als ein namenloses Unglück für IndiT viduum und Kultur; er konnte, in einem zu Beginn des zweiten Kriegsjahres in den Grenzboten veröffentlichten Vorschlag zur Sammlung der heutigen Soldatensprache, zweifellos mit alier Ehr-