Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Der Jüdische Student Alfred Wolff Die alte, treue Pessachverheißung: „Gott wird schonend, an euren Türen vorübergehen und wird dem*" Würgengel nicht gestatten, in eure Wohnungen izu kommen und; euch heimzusuchen" -- in «diesiem Weiher derben gilt sie nicht mehr. Einen nach dem andern holt der Mascbchis, ohne Auswahl, ohn' Erbarmen. Nun hat auch Alfred Wolff die harte Soldatenpiflicht bis zum bittersten Ende erfüllt. Am 24. Juli 1917 ist er auf dem Vormarsch gegen Tarnopol gefallen; bei dem Ort Mysko-wice liegt er begrabein. Alfred Wolff — tot; wer begreift das, der diesen von Lebensernst und Lebensfreude gleichmäßig durchsonnten Menschen gekannt, bewundert, geliebt hat? Er selbst hat, bei aller traurigen Bereitschaft, die den Grenadier eines aktiven Leibregiments jeden Augenblick begleiten muß, doch letzlich kaum daran gedacht, daß auch er nicht wiederkommen würde; so ist's mehr als ein wehmütiges, es ist ein doppelt schmerzliches Gefühl, ihn in gaiizisdier Erde zu wissen. Da ich seinen Reichtum, dem gegenüber sich die meisten von uns bettelarm vorkommen müssen, in diesen Blättern vor euch ausbreiten will, weiß ich nicht, wo anfangen, wo die Palette hernehmen, um den Farben dieses Lebens auch nur entfernt gerecht zu werden. Es muß Stümperei bleiben. In seiner liebenswürdigen Mischung von ernster Kraft und fröhlicher Zartheit war Alfred Wolff eine der stärksten Persönlichkeiten, nicht nur des V. J. St. Berlin, sondern wohl unseres ganzen Bundes. Gewiß: er hat, obwohl er das innere Zeug dazu wie manch anderer gehabt hätte, keine Schule gebildet, sich nicht zum Meister einer auf seine Worte eingeschworenen Richtung aufgeworfen; aber trotzdem1 ist die lose Gemeinschaft „derer um Alfred Wolff", derer, die ihm anhingen aus Sympathie für seine feine, vornehme Menschlichkeit und für seine besondere Art, die jüdischen und überhaupt alle Dinge anzusehen., sehr, sehr groß gewesen, und es waren nicht die Schlechtesten des Karteiis darunter. Zum1 Parteimäßigen, das so bald oder wenigstens so leicht im Mechanischen erstirbt, hatte er keine Neigung; ihn zog es nicht zur Clique, sondern zum Einzelnen. Bei einer so umfassenden Ubiquität wie der Alfred Wolffs istes vielleicht zu schematisch, nach den Grundzügen seiner Geistigkeit zu fragen; aber wenn es hier doch erlaubt ist, so müssen wohl diese als Urkräfte genannt werden: Zunächst mit ihm geboren, ein ungewöhnliches pädagogisches Talent und eine bei allem speku-. lativen Triebe nie wesenlose konstruktive Gabe; daraus entwickelt die Freude an Problemen jeder, nicht nur rein gedanklicher Art, und die Kraft, ihre Lösung anzubahnen und zu organisieren; als Krönung endlich eine unerhörte Aktivität und Produktivität — und