Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 47 Durch die unverantwortliche Nachlässigkeit von Bundesörüdern sind hier große Schulden entstanden. Für die Art der Geschäftsführung ist die Tatsache bezeichnend, daßi es uns bis heute noc'h nicht gelungen ist, die Kassenbücher einiger Korporationen aufzutreiben. Die Folgen sind unabsehbar. In Freiburg z. B. hatte man bis jetzt vergessen, die Wohnung für die Ivria zu kündigen, so daßi wir für drei Jahre volle Miete zahlen müssen, ohne die Räume jemals benützt zu haben. Beiträge sind nur von wenigen Verbindungen regelmäßig eingezogen worden. Während man annehmen sollte, daß während des Krieges die meisten Verbindungen ihre Finanzen sehr günstig gestalten konnten, weil fast alle größeren Ausgaben wegfielen, haben sich in Wirklichkeit die Schulden also bedeutend vermehrt und damit die gesamte Finanzlage des Kartells schwer belastet. Die Schulden der Verbindungen betragen nach den mir vorliegenden Berichten beinahe 10000 Mark. Inwieweit wir während des Krieges diesen Mißständen abhelfen können, ist schwer zu sagen. Wir haben zum' Teil neue Kassenpfleger für die Korporationen bestellt, zum Teil selbst die Pflegschaft übernommen. Eine wirkliche Gewähr für eine geordnete Kassenführung dürfte jedoch nur bei einer völligen Umgestaltung des Systems durch Zentralisierung der Kassen beim Präsidium zu leisten sein, eine Maßnahme, die während des Krieges kaum mehr durchgeführt werden kann. Auf die Reformvorschläge, die ich für den Fall des Friedens dem1 Präsidium vorgelegt habe, will ich hier nicht eingehen. Für die Dauer des Krieges kommt eine Erhöhung der Einnahmen nur durch eine Staffelung der Beiträge in Betracht. Nach meiner Schätzung der Finanzkraft unseres Kartells werden wir jeden Etat decken können und müssen. Was für Aufgaben sich auch immer das Kartell steilen wird, an dem Versagen unserer Finanzen sollen sie nicht scheitern. Walter Moses In dem Referat „Zum Thema: Bundesbrüderlichkeit" ist auf S. 39, Zeile 8 der Name „ C a 1 v a r y " verdruckt. Der letzte Abschnitt muß, statt mit „IV", mit „V" numeriert werden. Ein geplantes Referat über Erziehungsfragen konnte vom Verfasser leider nicht mehr fertiggestellt weräen.