Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537726--4101-3541844- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 Der Jüdische Student gend hat nämlich nicht das Recht, eine Antwort für richtig zu halten. Tut sie es dennoch, so ist es ,„nicht anders denkbar", als daß sie „das Produkt einer lange jähre währenden Entwicklung (Blumenfelds) fix und fertig übernahmen, um' es zum Dogma zu erheben". (Krojanker S. 523) In diesem' Satz steht jeder Oedanke zum Umfallen schief, — vor allem audh die Vorstellung vom „Produkt einer lange Jahre währenden Entwicklung", Idh will auf einige naheliegende Einwände nicht eingehen und sie nur aufzählen. Die Jünger halten sich, soweit ich sehe, weniger an das Bibel-Faust- Programm als ans Hebräischlernen. Eigenartige und ernste Anfänge eines hebräischen Strebens lebten'aber rchon vor dem K. J. V Tag im „Blau-Weiß" auf. Vielleicht hat Blumenfeld hier der Jugend aus der Seele gesprochen? —-! Ic'h will nur fragen: wenn es nun vielleicht so wäre? Wenn sie die Dinge wirklich ergriffen, „damit auch ihnen seine neue Welt aufgehe"?! Verdienten sie deshalb den Spott, den Krojanker über sie ausgießt?! Die Jugend hat das gute Recht, zum Führer zu wählen, in wemsie Führertum zu spürenglaubt, und die alizugläubige Hingabe an das Gebot des Führers ist mir unter Umständen lieber als die Selbstbehauptung, die ihr bißchen Individualität einem Prinzip zuliebe zu wahren sac'ht. Von einer natürlich empfindenden Jugend söli man nur verlangen, daß sie sich in der instinktiven Wahl ihrer Führer nicht vergreift und den aus' Feuer geschaffenen Geist höher sc'hätzt als die mit Wasser gekochte Weisheit des Philisters. Jede Jugend sucht den Anschluß an einen führenden Menschen. Zweifelhaft ist mir allerdings, obdie jungen K. J. V.er in Blumenfeld ihren Führer sehen. Wer aber davon ausgeht, sollte auch wissen, daß' Führen und Folgen einander bedingen. Wer nicht folgen kann, bleibt schließlich von selbst zurück (spätestens, wenn er Alter Herr wird), aber seine Bemüiiungen sollten nicht kaltherzig ausgelacht werden. Es ist wirklich „nicht anders denkbar" und von altersher der Brauch — alles andere ist individualistisdhe Phrase —, als daß die Jugend manclhe Resultate übernimmt und die Wahrheit dessen, was sie nicht versteht, jn der Wahrhaftigkeit eines überlegenen Menschen begreift. Ic'h habe allerdings' von ferne den Eindruck, daß» der jugendliche Geist heute eigenwilliger ist als je. Ich finde mit Blumenfeld (S. 474), daßi die Jungen im Begriff sind, sich in einer gewissen Nüchternheit und Werktagsstimmung vom Glauben an die Macht des Willens abzukehren, und daß, sie vielleicht Krojanker gar nicht so fern stehen, der „die Verwertung der erworbenen Kenntnisse vorwiegend für das praktische Leben in Aussicht nimmt/ - (J. St. S. 522.) Aber vielleicht täusche ich mich. Mag also in dieser Jugend neben Zweckbewußtsein audh Autoritätsglaube leben, es ist letzten Endes nur eine Frage richtiger Beurteilung von Tatsachen, ob Krojanker recht hat oder nidht. Wenn Troll auch noch das Prinzip der Einseitigkeit und des Uebereifers ist (von UeberschwängliChkeit will