Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüd'sc>e Student 41 der nicht von der Freude des Wanderns hingerissen wäre, taugt uns nicht zum Führer." (Führerzeitung S. 6.) Das ist absolut richtig und sc'hon in der Oründungszeit ausgesprochen worden. Aber unser jüdisches Zeitalter ist eben noch zu reich an Bewußtsein und zu arm an Instinkt, als daß. man das Zweckbewußtsein gänzlich ausschalten könnte. Das wirkliche Verhältnis ist auch wohl folgendes: Das Streben nach einem vertieften Judentum selbst trägt instinktives Gepräge. Nur ' ist * sich der Instinkt des rechten Wegs nicht sicher. Daher erhält die den Weg suchende geistige Tat stärkeren Antrieb oft durch das Ziel als durch eigene Kraft; umsomehr als — wie oben ausgeführt — 'das Ziel zumeist auch in der Richtung eines politischen Interesses liegt. Aber wie dem auch sei — Biumenfeld hat die Anregung: „Die Bibel lesen, wie ein Deutscher den Faust liest", sicher nicht mit so erhobener Stimme ausgesprochen, wie die Forderung: „Du sollst nach Palästina gehen." Bleibt: die unausstehliche Zahl der Jünger. Von diesen Jungen hat man zwar stärkere Töne gehört, aber es ist einfach unwahr, daß sie die Welt mit Heilsverkündungenüberfallen. Doch für sie gibt es noch einen andern Weg zum Verderben,. Denn die Worte des Meisters werden ihnen zum Dogma. Dieser Jugend muß zuerst das Recht gewahrt werden, sich mit den von Blumenfeld behandelten Problemen überhaupt befassen zu dürfen. Krojanker (S. 524) sieht zwar einerseits ein, daß sie sich in einem Stadium des Zionismus befindet, „in der sehr natürlich gerade diese Fragen und Aufgaben an sie herantreten." Aber wenn er (S. 516) Blumenfelds Neugestaltung als natürlich bezeichnet und dabei in Klammern hinzusetzt: „eine gewisse Entwicklung des Einzelnen im Zionismus vorausgesetzt", so klingt hier eine Auffassung an, der man in Rundschreiben oft genug begegnete: daß natürlich die Jungen mit der Kraft der Anempfindung s'ch eines Problems bemächtigt hätten, das eigentlich den Alten Herren vorbehalten ist. Nichts kann verkehrter sein. Denn * schon die Fragestellung setzt einen Glauben an die Möglichkeit innerer Umformungen voraus, der von Witkowskys altvorderem Skeptizismus noch nicht erreicht sein darf. Von jeher haben gerade die Jungen darüber nachgedacht, wie man jüdischer werden könne. Alan kann eher umgekehrt sagen, daß der vom Alter und der Erfahrung gelenkte Zionismus ein Problem ernst zu nehmen beginnt, das die Jungen, auch schon unter Herzl, immer gestellt haben. Und daß Blumenfeld — wohl weil seiner Natur alles Problematische relativ fern liegt — sich ihm verhältnismäßig sehr spät zugewandt hat. Und daß er dabei wahrscheinlich a u c h durch den Wunsch getrieben wurde, eine Frage der Jungen zu beantworten. Was für die Fragestellung noch gerade zugestanden wird, kann für die Antwort schon nicht mehr zugebilligt werden. Diese Ju-