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Der jüdische Student · 1917-09-01 · Heft 5 (September 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 5 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
[Seite] (sequence 43)
Language
German
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Der Jüdische Student 43 Ich gar aiidit reden), dann ist freilich jede in Bewegung geratene Jugend von seinem Geist besessen; und vielleicht gründet sich hierauf sogar Krojankers Gefühl, „daß sich jede Jugend als Gipfel fühlt und es in gewissem Sinne auch ist". Andererseits ist es an sich denkbar, daß alle jene typisch-jugendlichen Eigenschaften, unter ungünstigen Bedingungen verzerrt und verderben, in „feindselige AiissChließlic'hkeit, anmaßende Ueberhebung und asketische Dumpfheit" entarten. Ueber das Thema der Einseitigkeit schrieb Weitzmann. Ueber zwei herausgegriffene Punkte: Zweckbewußtsein und Autoritätsglaube habe ich ausführlicher geredet, um wahrscheinlich zu machen, daß Krojanker zu seinen maßlosen Uebertreibungen durch eine falsche Einstellung seines Blickes gelangt. Er erscheint mir als der Aesthet, der jede Wiliensbetonung, selbst, da, wo er sie theoretisch billigt, als eine krankhafte, unschöne Lebensäußerung schmerzhaft ablehnt. Wie alle Freunde der ruhigen, harmonischen Linie kann er die Jugend wegen ihrer Unausgeglichenheit nicht lieben. Sie lieben nur Kinder und Männer. Krojanker mag in Nuancen rec'ht haben. Wer von den Jungen ihn versteht, steht fast schon als ertappter Sünder da und sollte sich bessern. Krojanker aber sollte bedenken, daß der Zionismus die Jugend zumeist in menschliche Unsicherheit reißt, bevor-er (ihr den — mit dem Fluch des Philistertums nicht zu verwechselnden —, Segen männlicher Sicherheit schenkt. Unechtbeit ist ein Vorrecht der Jugend oder, wie der Dichter sagt: im Manne ist mehr Kind als im Jüngling. Aber die Jugend ist und bleibt unsere Hoffnung, wie Herzl sie genannt hat. Nicht, bloß in dem relativen Sinne, daß in ihr das Ideal in ganzer Schönheit immer wieder aufleuchtet, sondern auch in der absoluten Bedeutung, daß auf ihr der Fortschritt beruht. Mehr als andere Bewegungen, die nicht unter so schweren materiellen Bedingungen leben, bedürfen wir der Aussicht auf den größeren Mut und die festere Konsequenz der Jugend. Die Jungen aber müssen den entschiedenen Willen haben, weiter zu kommen als die Alten, und sollte dieser Wille auch nicht immer mit historischer Gerechtigkeit urteilen und übersehen, daß nicht immer die Kraft größer, sondern vielleicht nur der Weg ebener geworden ist, so muß das ertragen werden. In seiner Antwortrede auf den obligaten Fuxenhymnus bei Antrittskneipen sprach Theodor Z lo ci sti nie von etwas anderem, als — mit einem Worte — vom Jungbrunnen. Von diesem Geiste wünsche ich besonders H e r 1 i t z (S. 398 ff.) eine volle Portion. Der Respekt der Füxe vor uns Alten Herren ist eine schöne Sadie, aber wichtiger wäre, daß wir ihre Hochachtung teilen könnten. Und wäre für uns Alte Herren die umgekehrte Betrachtungsweise nicht fruchtbarer? Das' von Weiß (J.St. S. 440ff.) proklamierte Zeitalter des Abstiegs mag der Jugend naturnotwendig folgen, wie die Nacht dem Tage. Nur sehe idh für die Jugend keinen Grund ein,

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