Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 39 .„Der'Zweck diesies Nachdenkens, Sichversenkens in die Frage nach dem Geist des Judentums ist die zukünftige Ordnung des jüdisdien Gemeinschaftslebens". Ueberall ein Ineinandergreifen geistiger und politischer Tendenzen, wie denn auch (und nicht bloß, in unserer Bewegung) körperliche oder körperlich-geistige Bestrebungen stets •mit — immer im weitesten Sinne verstanden — politischen Ideen verquickt sind. In seinem auf dem Lockwitzer Blau-Weiß-Tage gehaltenen Referat führte Moses Calräsy aus (Führerzeitung S. 5): „Wenn Karl Glaser vorhin gesagt hat, daß unser ganzer Biau- W-eiß" ein Stück politische Bewegung sei, so ist demnach das Wandern ein Mittel zu dem Zweck, wertvolle Mitglieder einer politischen Gemeinschaft zu werden." Und wenn er auch dagegen mit Gedanken polemisiert, die den Krojankerschen sehr verwandt sind, so muß er doch zugeben: „Gewiß ist auclh das zum Teil richtig, die jüdische Jugend soll wandern, damit ... im gemeinsamen Wandern jüdische Gemeinschaftsgefühle erwachen." Man wird einwenden, Krojanker rede gar nicht von einer politischen Zweckbestimmtheit des Lernens. Aber dies mache ich ihm eben zum Vorwurf. Er verurteilt freilich in erster Linie die individuelle Zwecksetzung, die Heilsvorstellung, daß der Einzelne durch Erlernen der hebräischen Sprache und andere geistige Beschäftigungen vom Gohus genesen könne. Der springende Punkt — wir reden nämlich über Bundesbrüderlichkeit — ist aber folgender: Er bekämpft das Fordern in geistigen Dingen, als Folgeerscheinung! eines Zweckbewußts'eins, und er konstruiert, meine ich, mehr als er sieht und fühlt, „daß aus dieser Art der Einstellung in ihren weiteren Folgen eine . . . asketische Dumpfheit usw." erwächst. Diese Konstruktion verliert erheblich an Wahrscheinlichkeit, sobald man sieht, daß zwar gefordert wurde, aber nicht sowohl im Namen dessen, was Krojanker das Seelenheil nennt, als eines politischen Interesses. Hier ist der Blick' auf die Gemeinschaft gerichtet, dort auf das eigene Ich. Diese politische Stimmung wirkt in unserer neuesten Kulturdebatte einmal als latenter Antrieb; sie ist aber auch dauernd zudeutlichem Ausdruck gelangt. „Um der Uebersiedelung nach Palästina willen ist neben einer stärkeren sachlichen, vor allem eine ganz neue jüdische Vorbereitung erforderlich. So ergibt sich schon aus dieser äußerlichen Notwendigkeit die Notwendigkeit der Konkretisierung unseres Nationalismus usw. . . . Nur durch eine starke hebräische Bewegung und durch ein jüdisch- Jiationales Leben ist ferner die zionistische Weltorganisation als die Einheit aufrecht zu erhalten, auf deren festem Grunde wir eine jüdische Politik aufbauen." (Blumenfeld J. St. S. 4S5-d6.) „Alles was wir tun, dient diesem Ziele: Herzen und Geister so zu schulen, daß wir diese Bürger für Palästina gewinnen" (Erich Cohn, f. St. S. 504). Nun ist freilich in der Kulturdebatte über das „Seelenheil" gesprochen worden. Blumenfeld gab dem Glauben an „die um-