Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 37 Ich habe Krojankers Aufsatz wahirh&ftig off genug gelesen und habe midi immer wieder gefragt: walsl ist es nur, was kann er meinen? Wo sind die Asketen, die sich in stöhnender Aufopferung um das- Heil ihrer Seele mühen, wio "ist der Geist lastender Dumpf* heit und feindseliger Ausschließlichkeit? Unbekümmert um Weitern an ns(,'wie mir seiheint, beachtliche Erwiderung, präsentiert er dem entsetzten Leser noch einmal die schreckliche Gestalt eines Troll, eines halb blödsinnigen Nachsprechers und Nachbeters, eines Aufpassers, der nicht in das Lesebuch sehen kann, ohne mit einem Auge zu schielen, ob auch die ganze Klasse fleißig ist, eines Dümm* lings, der sich spätestens nach der 50. Lektion dem Urjuienfam zurechnet und mit den Zurückgebliebenen nicht mehr spricht. Und ich frage: Lebt dieser Troll? Oder ist er eine Holzpuppe, die sein. Schöpfer auf Rädern hinter sich herzieht? ■Will man Troll zunächst an seinem* Gegensatz erkennen, so ist das' ein Mensch, der „aus einem absolut zweckfreien Interesse am den Dingen, aus der immanenten Notwendigkeit seines Geistes zur Betätigung", nidht, um irgend etwas zu werden, sich mit jüdischen Dingen befaßt, sondern nur, weil er ihnen „in seiner Eigenschaft als Jude und Zionist Interesse entgegenbringt." Er ist der Feind jeder Zwecksetzung, der es „ohne Kopfzerbrechen der wandelnden Zeit" überläßt, wie „das Leben . . . eine innere Umgestaltung mit uns vornimmt". Man kann Krojanker um diese heitere philosophische Veranlagung beneiden, die man sonst bei Künstlern und Gelehrten findet. Sie überläßt alles dem unbewußten, naturhaften Werden.. Wille und Bewußtheit, sind ihm anrüdhige, oder doch untergeordnete Triebkräfte. Aber man muß Krojanker vorhalten, wie scharf er esj. bei Blumenfeld tadelt, daß, er seine Perslon mit ihren eigentümlichen Bedingungen zum allgemein gültigen Maßstab mache. Es! leben nämlich auch, und in der Ueberzajhl, andere Menschen, die Hebräisch nicht deshalb lernen, weil sich in ihnen ein immianenter Betätigungsdrang mit akademischem Piliehtgefühl, philologischer Begabung und zweckreinem zionistischen Interesse paart. Diesem zwecklosen, im eigentlichen Sinne geistigen Interesse steht ein anderes, im weiteren Sinne, politisches gegenüber. Die Menschen dieser Interessensphäre lernen zunächst weniger um der Spradhe als der Gemeinschaft willen; um ein von jüdischen Beziehungen erfülltes Leben führen, „jüdisches Gemeinschaftsleben" zu können, was ja auch Krojanker für wesentlich hält. Was sie in der Sprache suchen ist also weniger ihr geistiger Gehalt, als die nationale, sprachliche Bindung. Sie lernen Hebräisch, um sich der jüdischen Gemeinschaft einzugliedern. Dem Geist des absolut zweckfreien Interesses sind Forderungen an aridere fremd. Er verlangt nicht, sondern setzt als selbstverständlich voraus. Aber auch Krojanker schreibt (S. 521): „In der Bedeutung für ein jüdisches Leben sehe; ich den Wert unserer Kenrit-