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Der jüdische Student · 1917-09-01 · Heft 5 (September 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 5 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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Man gewinnt nachgerade den Eindruck, daß"-einige Bundesbrüder in dieser Beziehung nacihzuhiolen haben. Aus unseren Debatten sollten also die kleinen und großen Boshaftigkeiten, in unseren U St-Artikeln die journalistischen Paradehiebe verschwinden. An jener „Kette von Verhöhnungen, Verunglimpfungen und Kränkungen" (j.St. S. 388) hängt freilich nur die Phantasie des Autors. Aber wenn z. B. Ginsberg (J.St S. 528) anmerkt: „bei der Schilderung der Macht des Präsidiums blieb kein Auge trocken", so werden wir in Zukunft unsere Geistesfcost auch ohne diesen journalistischen Pfeffer genießen können. Auf die kleinen Hilfswaffen ides politischen Kampfes sollte in der Tat ebenso verzichtet werden, wie — nach Möglichkeit — auf die übermäßigen Grobheiten. Vor allem deswegen, weil der Mensch in seinem Aerger fürchterlich wird. Aerger ist der Erreger aller kleinlichen Instinkte, die ja auch der Gute in seinem Busen hegt. Wenn jedoch ein Bundesbruder aus ehrlicher, bester Ueberzeugung anklagt und die Katze eine Katze nennt, wie man auch noch zur Rechtfertigung von Krojankers letztem Artikel sagen kann, dürfte niemand den Appell an Verstand und Empfindung mit Förmlichkeit und Empfindlichkeit beantworten. Es bleibt dabei, daß wir als Bundesbrüder uns deutlicher die Meinung sagen können, als wären wir Fremde. In einem' Brief an den Ruderverein schreibt das Präsidium am Schluß' eingehender, ersichtlich von bester Ueberzeugung eingegebener Ausführungen: „Aber wir mußten Euch schon früher einmal sagen, daß Ihr leider zwei Maßstäbe für ßundesbrüderlichkeit habt, — einen, den Ihr an Euch, und einen den Ihr an die anderen legt". Der Ruderverein weist hierauf den tiefbeleidigenden (!!) Vorwurf• doppelter Maßstäbe mit einer Entrüstung zurück, als wäre ein Kaufmann des bewußt rechtswidrigen Gebrauchs falscher Gewidrie beschuldigt. In dieser Atmosphäre kühler Korrektheit (man sieht auch nur infolge glücklicher Zufälle „von Forderungen ab, die unter anderen Umständen von jeder Korporation in gleicher Lage erhoben wlerden müßten") muß auf die Dauer jedes bundesbrüderliche Empfinden erfrieren. IV Meine Ausführungen, die sich bisher im wesentlichen im Geriet der Abstraktionen bewegten, dürften bis zu diesem1' Punkte im Großen und Ganzen von der Zustimmung der Leser begleitet worden sein. Schwieriger wird sich meine Aufgabe gestalten, wenn idi mich jetzt auf das Feld der konkreten Tatsachen begebe, also in das Reich der Mißverständnisse und Nüancen, wo der Ton die Musik macht. Denn offenbar nur über-Nüancen redet K r o j a n k e r. Wäre es anders, so müßte sich doch aucW meinem Auge die Heilsarmee zeigen, die Psalmen singend und weihräuchernd durch die Lande zieht, und auf erhobenem Schilde Blumenfeld vor sich her trägt.

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