Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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weiß, wie hoch er die Wurde der 'Bundesbrüderlichkeit stellt, empifindet sofort, daß er nicht etwa; seine Ansicht bösartig unterstreichen wollte, sondern daßi es ihm um nichts anderes als die bundes-- brüderliche Reinheit unseres! Kreises ging, als er in einer, gewäß zu mißbilligenden, Aufwallung sägte: „Dir kann ich überhaupt nicht mehr die Hand geben!" (J. St. S. 388.) Man vergleiche auch' Krojanker (S. 523): „Die unausstehliche Zahl' der Jünger." Gerade die anstößigen Aeußerungen der notorischen Friedensbrecher, deren Namen neuerdings auf H e r 1 i 1z' schwarzer Liste von jedem etwa noch nicht eingeweihten Neuling eingesehen werden können,, verdienen, gelegentlich in diesem Sinne nachgeprüft zu werden. Der Ruderverein hat das Verdienst, daß er den Sinn für die sozialen Bedingungen unseres Zusammenlebens pflegt. Indem' er jedoch auf jedes vermeintliche soziale Versehen den Bannfluch der Unbimdesbrüderliehkeit schleudert, trägt gerade er zur Verwirrung und Veräußierlichung des bundesbrüderlichen Gefühls bei. Auch ich meine, daß das Präsidium für die Bedeutung eines guten Adressenverzeichnisses kein zugängliches Verständnis bewies!; eswürde mir aber nie in denfSinn koimmen, hieraus auf mangelnde Anteilnahme an dem Kriegsschicksal der Bundesbrüder zu schließen. An einen peinlichen Vorfall des letzten K. J. V.-Tages will ich nur von weitem erinnern, um zu zeigen, wie hier ein offenkundiges Versehen zu einem Akt der Unbundesbrüderlichkeit gestempelt wurde. Die Forderung, daß eines gefallenen Bundesbruders möglichst unverzüglich im J. St. gedacht werde, entspringt einem begründeten sozialen Sinn für die Form. Aber der Standpunkt des J. St.-Redakteurs, zu warten, bis! Freunidessinn von selbst die richtigen Wortefindet, hat auch einiges, und zwar auch Gründe des bundesbrüderliehen Gefühls, für öidh. Der Ruderverein gilt als Hort der Bundesbrüderlichkeit, obwohl dodh gefragt werden müßte, ob die ausge^ zeichnete Harmonie des organisatorischen Zusammenwirkens da& Spiegelbild einer ebenso befestigten innerlichen Verbundenheit ist». Audi im Ruderverein, den ich gewiß hochschätze, wird es mit der Zeit unruhiger wrden, wenn an die Stelle der jetzt dargebotenem, „literarisch anspruchslosen" Unterh'altungsliteratur die unvermeidlichen geistigen Kämpfe treten. lieber die Beziehung zwischen gesellschaftlicher Einordnung undü Bundesbrüderlichkeit ist aber das Wesentliche nodh nicht gesagt. Ist zwar der Vorwurf gegen den Stqrer meist unberechtigt, iso leidet doch die Bundesbrüderlichkeit des! Gestörten not. Das ist wohl der unbewußte Grund der Erbitterung, daß* jene Verletzten i h r bundesbrüderliches Gefühl nicht behaupten kömnen. In einer begreiflichen Verwirrung kehren sie aber dasl wirkliche Verhältnis um Hier droht, wie zuzugeben ist, eine Gefahr. Nicht nur daraiuf kommt es an, daß ein Bundesbruder in seiner Art bundesbrüderlich" empfindet, er muß auch bundesbrüderliche Empfindungen auslasen..