Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537726--4093-3541836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
,,Der alte Fehler, die Meinungen des anderen als falsfch,? unaufrichtig, rückständig anzusehen, ist im Abflauen begriffen. Man läßt audh andere Ansichten gelten, ohne den Gegner deshalb gleich für einen Gegner 2. Klasse zu halten" ... Diese Zitate beweisen nichts und sollen nichts beweisen. Nur wird vielleicht mancher das Gruseln verlieren, wenn er sieht, daß- -p^pvwz uoa 'u3qosu3VV 3U9Joq3S o;pqo un }ipiu pun Tapire ipn# los idealistischer Gesinnung, vor dem gleichen Problem der persönlichen Gegensätze zu stehen glauben. Solange die Ueberlieferung keinen fertigen Zionismus1 vermittelt, solange wird es nicht bloß Kämpfe, sondern auch den Zorn über1 den einen geben, der nach der Ansicht des anderen falsche Wege weist. Die gelegentlichen, im Grunde doch so belanglosen Uebergriffe gehören zum Verlustkonto jeder Gemeinschaft, die Glied einer Bewegung ist. So selbstverständlich dies klingt, so deutlich muß es hervorgehoben werden. Es ist deshalb in diesen Zeilen bereits zweimal gesagt worden. Wenn alte ehemalige B. J. C.er die Tendenzkämpfe nachträglich zu StunkgestMchten erniedrigen, so entströjmt die iüble Luft, die ihnen den Atem benimmt, allein ihrem beklagenswerten Unverständnis. III Jeder engere menschliche Kreis kann o!ftne ein rücksichtsvolles, soziales Verhalten seiner Mitglieder, ja, ohne konventionelle Formen nicht existieren. Das Unverständnis für den besonderen Charakter dieser Angelegenheit muß' schwinden. Unbundesbrüderlichkeit ist ein Defekt der Gesinnung und demnach ein dauernder Zustand. Unsoziales Verhlten berührt zumeist nidit Fragen der Gesinnung, kann im übrigen zwiar auch in einem Defekt der Veranlagung begründet sein, äußert sich aber im allgemeinen in „Entgleisungen". Der Vorwurf der Unbundesbrüderlidikeit geht an die Nieren, denn er besagt, daß einer außerhalb des1 Kreises der Bundesbrüder steht. Das ist aber in Wahrheit wohl nicht gemeint, selbst wenn über Un~ bescheidenheit, Besserwissen und Beleidigungen geklagt wird. Dieser Sünder stellt sich nicht außerhalb des Ringes, sondern er erhebt sich über den Kreis der Bundesbrüder: er ist überheblich. Man brauchte auf diese Unterscheidung keinen großen Wert zu legen. Aber es ist ein Hauptzweck dieser Zeilen, den Pessimismus zu bekämpfen, und andererseits eine Wahrheit, daß sidhi seit Jahren mit dem lauten und leisen Grollen über „Unbundesbrüderlichkeit" die Vorstellung des Weltuntergangs verbindet. Gerade dieser Begriff ist mit allzu trüben Assoziationen behaftet. Jedoch ist auch die praktische Differenz1 nidit unerheblich. Denn es kann steh einer gerade dann als Retter der Bundesbrüderlichkeit: fühlen, wenn ein übermächtiges Gefühl die Bande der Höflichkeit sprengt (deren für ein Zusammenleben unersetzliche Bedeutung, ^wie gesagt, durchaus anerkannt wird). Wer Blumenfeld kennt und