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Der jüdische Student · 1917-09-01 · Heft 5 (September 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 5 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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leert nicht aus der Luft abstrahieren, sondern aus der Wirklichkeit des zionistischen Korporationslebens zu begreifen suchen. Da zeigt sich, daß es entschiedene und zuweilen übergreifende Gegensätze von jeher gegeben hat. Und man braucht nur die konventionelle Tünche abzuwaschen, um zu entdecken, daß die Brust jedes Bundesbruders, ohne Ausnahme, neben Freundschaft und herzlichem Wohlwollen auch die eine oder die andere, durch das bundesbrüderliche Gefühl lediglich gebändigte, Antipathie beherbergt. Sollte im K. J, V. deshalb keine Bundesbrüderlichkeit zu Hause sein? II In* einem Aufsatz über „die Gegensätze in der freideutschen Jugend" im Juliheft des „Wanderer" 1914, schreibt Professor August Messer (Gießen): „Bei ruhiger Prüfung wird man vermutlich eine Reihe i n - dividueller, persönlicher Momente entdecken: Einseitigkeiten und Schroffheiten einzelner führender Persönlichkeiten in beiden Lagern, Antipathien und Sympathien, Empfindlichkeit des Selbstbewußtseins, Wille zur Macht und Aehnliches. Daneben werden typiisch-pers'önliche Unterschiede eine Rolle spielen, insbesondere der Gegensatz der mehr gefühlsmäßiginstinktiven und der mehr intellektuellen Naturen, ferner der zwischen den aktiven, auf praktische Wirksamkeit gerichteten und den mehr theoretischen Menschen, denen Erkenntnis höchstes Ziel bleibt; dazu die Temperamentsunterschiede zwischen den Feurigen, einseitig und rücksichtslos Vorwärtsdrängenden * einerseits und andererseits den Ruhigeren und Verstehenwollenden, den gegen sich und andere gleich Kritischen. Jede menschliche Vereinigung, die irgendwie ins Weite strebt,- muß Raum1 bieten für die reiche Fülle menschlicher Individualitäten und menschlicher Typen. Es kann gar nicht Ziel einer Auseinandersetzung sein, diese Verschiedenheiten unterdrücken oder ausrollen zu wollen; nur darauf kann es ankommen, daß man sich über diese Verschiedenheiten klar wird, daß man sich gegenseitig verstehen lernt, und daß man einander gelten läßt, auch da wo man sieh nicht lieben kann. Darüber muß man sich freilich klar werden, eine irgendwie größere Gemeinschaft kann nicht auf Liebe im Sinne einer instinktiven, vom Herzen kommenden Sympathie aufgebaut werden. . . .Derartiges zur Grundlage einer Vereinigung" machen, bedeute deren Schicksal den unkontrollierbaren, blinden Gewalten des unbewußten Seelenlebens anvertrauen und damit einem irrationalen Faktor, der sehr verschieden ist von einem besonnenen, nach sittlichen Zwecken gerichteten Wollen. . . ." In einem Bericht über den Frankfurter Bundestag des „Wandervogels/* („Wandervogel", April 1914) lesen wir:

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