Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Der Jüdische Student infamen Worte nachsprechen darf, ist also in der ta^ituti^unserep Ehrenräte ausgeprägt. Ihre Einrichtung beweist die Allgemeinglültigkeit cter Auffassung, daß Bundesbrüderlichkeit nur zwischen denen bestehen soll, welche die gegenseitig gelobte Bundestreue in. Eftren halten. Wenn von Ketzerrichterei die Rede ist, kann es sich also, nur daruih handeln, ob ein finsterer, dogmatischer Fanatismus oder der hellere Geist verantwortungsvoller Strenge urteilen soll, Maji* möge Unberufene nicht auserwählen, z. B. nicht für das Präsidium. Mit Recht diskutiert Krojanker (J. St. S/524) den Satz;. „Wo der Zionismus anfängt, hört die Bundesbrüderlichkeit lauf",; nur hinsichtlich der Frage, was man denn unter Zionismus verstehe. Dagegen stammt Herlitz' Klage über die, „die den Wert ihrer Genossen nach dem Grade ihrer Gesinnungsfestigkeit beur^ teilen und nicht nach ihren allgemeinen menschlichen Qualitäten",, aus einer Welt nebelhafter Vorstellungen. Für den bun des brüderlichen Wert der Genossen gibt es allerdings keinen anderen Maßstab. Wer schlecht schießt, ist ein schlechter Schütze, mag er sonst der seelenvollste Mensch sein. Gewiß, ist Bundesbrüderlichkeit der fruchtbarste Boden für Freundschaft und Kameradschaft, aber in unserer verwirrten Diskussion ist die Trennung der Begriffe unerläßlich. Sie erleichtert: audh die Einsicht, daß nicht bloß Meinungsverschiedenheit, sondern Gegnerschaft mit Bundesbrüderlichkeit verträglich ist. 8 Die „Verschiedenheit der Auffassung", schrieb Siegfried Moses* (J.St. S. 513), „bedingt nicht eine Kluft der Anschauung". Daß vaber die „Ver-, schiedenheit der Auffassung" zur Gegnerschaft führen kann, hat,, wie er mit Recht hervorhebt, seinen Grund darin, daß manche Streitfragen nicht bloß an den Verstand, sondern ans Herz rühren. Wie es bundesbrüderliche Freundschaft gibt, so auch, * wenngleich-, naturgemäß nur in Ausnahmefällen, bundesbrüderliche Gegnerschaft. Die Trennung des Begriffes der Bundesbrüderiichkeit vom Freundschaftsbegriff muß nicht nur vom Verstände anerkannt, sondern auch vom Gefühl gebilligt werden. Vor solcher gefühlsmäßi-. gen Billigung scheuen manche Bundesbrüder zurück. So schleppen; sie, ohne es zu wollen, eine matte Unehrlichkeit. Es sind die gleichen Bundesbrüder, die ernste und sachliche Gegensätze als ungetreue, Chronisten in die Geschichte gleichgültiger „Stunks" einreihen/ Man muß diesen Bundesbrüdern etwlas mehr Gelassenheit und Vertrauen auf die Macht der bindenden Kräfte im K. J. V. wünschen. Um die Bundesbrüderlichkeit stünde es besser, wenn nicht die Lobredner allseitiger Freundschaften bei jeder scharfen Auseinandersetzung die Hände ringen wollten. Diese Bundesbrüder wissen nicht, daß sie zugleich die Bundesbrüderlichkeit und die Freundschaft entwerten, indem sie bei jener zu wenig, bei dieser aber offensichtlich zu viel rationelle Elemente in Rechnung stellen. Man sollte den Begriff der Bundesbrüderlich-