Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 31 die bisher im J. St. nur einmal, an einem1 kurzen Hinw eise Blumenfelds, zu Worte kam. 1 . - 1 Wenn das Wort B u n d e s brüderlichkeit nicht zur Phrase werden soll, muß man bedenken, daß der Ton auf dem ersten Wortbeständteil liegt. Sie ist das Bewußtsein der Verbundenheit durch den Bund, d. h. für uns: Durch die Gemeinsamkeit der Idee. Sie ist unabhängig, vom Werden und Vergehen jugendlicher Freundschaften, für deren Entstehen oder Niditentstehen der im wesentlichen irrationale Einfluß' körperlicher und geistiger Eindrücke entscheidend ist. Bundesbrüderlichkeit ist ein selbständiges Gemeinsamkeitsgefühl von eigenem Gehalt und besonderer Wärme, das ebenso Bekannte wie Unbekannte bindet. Zur Freundschaft hinzutretend, verleiht sie ihr spezifische Eigenart. Weil die bundesbrüderliche Freundschaft von besonderer Art ist, bemühten sich Bundesbrüder, Freunde der Verbindung zuzuführen. Umgekehrt haben Fieundschaften von Bundesbrüdern, die vom1 Geiste des Bundes nicht mehr beseelt sind, mit Bundesbrüderlichkeit nic'hts zu tun; — so gut sie auch sonst menschlich' begründet sein mögen. Diese Auffassung dürfte nur von wenigen bestritten werden. Der Einwand, daß demnach alle Zionisten Bundesbrüder sind, trifft nicht, weil unsere Idee in der Idee des' Zionismus nicht ersch >pfc ist. Wir sind niclt bloß durch ihn verbunden, sondern durch das gegenseitige Gelöbnis der Treue, das, ausgesprochen oder unausgesprochen, unserem korporativen Leben seinen Sinn verleiht. „Für Judas Ehre unser Blut und Leben", ist das Lied unserer Bundesdrüderschaft, oder auch: „. . . so wollen* wir zusammenstehn im Kämpfen und Ringen". Nicht Gesinnungsigenossen sind wir, wie Herlitz (J.St. S. 388) zu erwidern ist, sondern — gewissermaßen — Eidgenossen. Nur diese Auffassung macht begreiflich, warum wir im Felde auch einem unbekannten Bundesbruder mit der eigentümlichen Freude des Wiedersehens die Hand drücken. Sie befreit das bundesbrüderliche Gefühl von der Beimischung sentimentaler Regungen, die in der Bundesbrüderlichkeit ohne allumfassende Freundschaft, so offensichtlich sie aucih der wirkliche Zustand ist, eine bedauernswerte Halbheit sieht (Herlitz, J. St. S. 388). Sie ermöglicht Menschen, deren Interesse mehr Ideen oder Dingen, als anderen Menschen gilt, und die In einem GeselligkeitsVerein freilich' eine unglückliche Rolle spielen würden, sich als Bundesbrüder zu betrachten. Der Zusammenhang zwischen dem Geist des Bundes und der Bundesbrüderlidhkeit ist entscheidend. Gegen den Geist der Bundesbrüderlichkeit fehlt, wer die Bundestreue verletzt, es sei denn, daß er die Konsequenz seines Austritts zieht. Von jeher galt es als A;kt der Buiidesbrüderlichk'elt, Gesinnungslose zu entfernen. Der Geist der Ketzierriditerei und Gesinnungsschnüffelei, wenn idh! diese