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Der jüdische Student · 1917-09-01 · Heft 5 (September 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 5 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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"24 Der Jüdische Student ien dahin gerichtet sei, in diesen anderen Organisationen Einfluß und Macht zu gewinnen. Herzls Wort von der Eroberung der Gemeindestube war der Ausgangspunkt für mannigfache: Versuche, in die Leitung der jüdischen Gemeinden zu kommen, ein Versuch, der gewöhnlich, so bei den Berliner Repräsentantenwahlen im Winter 1910, scheiterte, aber gelegentlich, so in Königsberg und Wien, auch zu Achtungserfolgen führte. In derselben Richtung lagen die Versuche, auf die deutsche KonferenzgemeinschaÜ der Alliance Einfluß zu gewinnen. Im Gegensatz zu dieser Richtung verfochten die Jüngeren den Standpunkt, daß wertvolle Arbeit in unserem Sinne nur in eigenen Organisationen geleistet werde. Sie hielten es für notwendig, die zu uns Gekommenen völlig loszulösen vom Einfluß, der assimilatorischen Umwelt und sie zu zwingen, sich ganz in unsere Entwicklung hineinzustellen. So bekämpften wir die Mitarbeit unseres Nachwuchses in den nicht-zionistfechen Organisationen. Dazu kam ein zweites. Wir Zionisten wollen die Verhältnisse im heutigen Judentum ändern, die anderen wollen sie erhalten. Wir sind deshalb stets offensiv, und es kann nicht ausbleiben, daß der Gegner, der nur seine Position erhalten will, in uns1 den Störenfried sieht. So kam' es in den letzten Jahren vor dem Kriege mit sämtlichen Organisationen zum Konflikt: mit dem Zeniralverein, mit den Jugendbünden, mit dem Hilfsvere n. Unit diejenigen Organisationen, mit denen es nicht zunr offenen Konflikt iam, wurden, wenn nicht anti-zionistisch, so doch azionistisch. Die etwa in ihnen verbleibenden Zionisten waren zur Einflußlosigkeit verurteilt und spielten keine Rolle. Hat sich diese Situation im Kriege geändert? Um diese Frage zunächst vom Standpunkt der anderen zu betrachten, so war für diese bisher das stärkste Argument der mangelnde Patriotismus der Zionisten, der die Assimilanten befürchten ließ, daß ihre mühsam und unvollständig errungene Gleichberechtigung erschüttert werden könnte. Dieses Argument ist, wie wiederholt in der nicht-zionistischen Presse betont wurde, ad acta gelegt worden, Die Haltung der Zionisten im Kriege sei über alles Lob erhaben. Damit ist ein Differenzpunkt zwischen uns und den anderen aus der Welt geschafft. Ein weiteres Argument für eine Aenderung in cier Stellungnahme zu uns ist die Enttäuschung über die Fortdauer des Antisemitismus. Die Hoffnung der ersten Kriegswochen, daß •der Antisemitismus nunmehr der Geschichte angehöre, hat sich nicht bewahrheitet. Immer stärkere Zweifel an dieser Theorie tauchten auf, bis dann schließlich die Judenzählung die Entscheidung ^brachte. Nicht als ob der wiedererwachte Antisemitismus die deutschen Juden zur Nachdenklichkeit veranlaßt hätte, als obi der Ant?semi- 1ismu&isie gezwungen hätte, zu ihrem Volke zurückzukehren; das ist gewiß nicht der Fall. Wohl aber macht der wiedererwiachte -Antisemitismus die einheitliche jüdische Kampfesfront notwendig

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