Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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kal entgegengesetzten Anschauungen. Für Zwirn bedeutet, der Zionismus nur die große jüdische Bewegung,, die die Erlösung des¬ Volkes herbeiführen will, die Kampfgemeinschaft der Juden; die, den Zerfall ihres Volkes deutlich erkennend, die Organisierung der Massen anstrebt, um auf politischem Wege denen, die sich nicht assimilierein kpnnen und wollen, das jüdische Land zu erkämpfen,, für Blumenfeld ist er neben der politischen die geistige Gemeinschaft, die die menschliche Erneuerung des einzelnen mitherbeiführt, er glaubt, daß. das neue Weltbild, welches uns die zionistische Konzeption eröffnet, in uns die drängende Sehnsucht erwecken muß, unter leidenschaftlicher Ablehnung unseres jüdischen status quo ante, ein der radikalen glanzvollen Zielsetzung möglichst adaequates Leben zu führen, das Zukünftige, soweit es angängig ist, zu antizipieren. Ich möchte ausdrücklich nochmals betonen, daß die weitaus große Mehrheit der Zionisten sich nicht zu einer dieser beiden extremen — wie mir scheint, allein konsequenten — Anschauungen bekennt. Die mannigfaltigsten Nuancierungen kann man beobachten. Aber keine zionistische Betrachtungsform trägt von vornherein den Makel der Minderwertigkeit an sich. Einziger Maßstab für die zionistische Bewertung ist das Quäle an Hingabe und das Quantum an Leistung. In dieser Hinsicht werde ich nach wie vor von guten: und schlechten Zionisten reden. Das hatte ich bereits in meinem letzten Aufsatz klar und entschieden ausgesprochen. Ich bedauere, daß dies — wie ich .auch, aus einer kurzen persönlichen Rücksprache mit Zwirn selbst ersehen mußte — überlesen wurde, und ich schiebe mir sogar einen gewissen Teil der Schuld zu, weil ich bei der Formulierung der Gegensätze" mit nicht ganz glücklichen Wendungen operiert hatte.! Diesmal bin ich hoffentlich klarer gewesen. Für mich stand es stets fest, daß der tätige, sich vor seinem Zionismus verantwortlich fühlende Nichtradikale hundertmal wertvoller ist als der, der vor lauter zionistischer Erfülltheit das Handeln vergißt. IV Ich habe die feste Hoffnung, daß die Zeit der großen, ehrlichen Versöhnung der einander widerstrebenden Richtungen im Kartell nicht mehr fern ist. Nichts schien mir unsinniger, als diesen für ein gedeihliches bundesbrüderliches Zusammenleben unbedingt erforderlichen Zustand durch eine Politik der Vertuschung herbeizuführen. Was hat es für einen Wert, die sachlich bestehenden, nicht aus der Welt zu schaffenden Gegensätze der Weltanschauungen zu verkleistern zu suchen, ständig zu-versichern, daß es eigentlich gar keine wesentlichen Differenzpunkte jn den Anschauungen gebe- und! alles nur auf Mißverständnisse zurückzuführen sei! Voraussetzung der wirklichen Verbrüderung zu gemeinsamer Arbeit schien es mir vielmehr zu sein, klar auszusprechen, was ist. Wenn jeder wirkliche Zionist, gleichviel welcher Richtung, die Ueberzeugung haben wird„