Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Der, Jüdische Student 577 leid richtet. Denn das scheint mir sicher zu sein, daß die Gegnerschaft eines nicht ganz kleinen Teiles unserer Bundesbrüder zu Blumenfeld nur darauf zurückzuführen ist, daß sie in ihm den Mann erblicken, der ihnen immer wieder die Unterordnung ihrer persönljctien Interessen unter die nationale Sache, die ständige Opferbereitschaft predigt. Und ich will es hier unverhüllt als meine Meinung aussprechen, daß mir bei einer Reihe unserer Bundesbrüder der zionistische Innenbezirk unverhältnismäßig klein zu sein scheint daß ich mich bei vielen des Eindrucks nicht erwehren kann, daß sie £war Geld zu zahlen und, soweit sie dazu fähig sind, auch die eine oder andere ihnen zugewiesene Arbeit zu übernehmen bereif sind, sonst aber für sie der Zionismus ein ausgeträumter Jugendtrauni ist, manchen noch nicht einmal dies, da sie niemals im Zionismus mehr als eine gute, anständige Sache erblickt haben. Diese Leute haben kein Recht, sich auf Zwirn zu berufen, der zwar die innerzionistischen Anschauungen der Radikalen bekämpft, aber als aufrechter Zionist sich vor seinem Zionismus verantwortlich fühlt. — Wie es also verfehlt wäre, von denen um Zwirn als einem einheitliehen, gesinrüungsmäßig homogenen Kreise zu sprechen, so ist es ebenso absurd, von all den kleinen Blumenfelds annehmen zu wollen, sie ständen in ihrer Gesinnung hinter ihrem Führer. Es muß mit aller Entschiedenheit betont werden, daß ein erheblicher Teil der kleinen Jünger des großen Blumenfeld, die im Kartell herumziehen und mit geschwollenem Pathos alle Heilsiehren ihres Meisters verkünden, gar nicht die geistigen und moralischen Qualitäten aufweist, die zur vollinhaltlichen Erfassung der Blumenfeldsehen1 Gedanken und Postulate erforderlich sind. Diese Leutchen kom'mein sich in ihrem Radikalismus ungemein großartig vor und ahnen gar nicht, wie unfreiwillig komisch sie wirken, wenn sie, iurantes in verba magistri, in Stumpfheit das nachplappern, was sie von Blumenfeld mit den Ohren gehört, mit dem Herzen aber nicht begriffen haben. Bei diesem ist alles tiefstes Erlebnis, Resultat einer kämpf reichen Entwicklung, bei jenen hohle Phrase, von keiner Echtheit Ides Empfindens getragen. Die auf Grund sklavischer geistiger Abhängigkeit den Namen Blumenfeld tönend in das Kartell hineinschreien, sind fürwahr nicht dazu berufen, im Namen ihres* Herrn und Meisters zu reden. Sie profanieren nur das, was bei jenem aus leidenschaftlichster Erregung geboren ist. Und ich glaube sagen zu können, daß viele, die sich nicht in Starrheit ziu Blumenfelds Anhängern zählen, die sogar manchen seiner Gedanken kritisch und bisweilen seiner Betrachtunggart ablehnend gegenüberstehen, ihm innerlich weit verbundener sind als |ene geistig beschränkten und meisteis objektiv unwahrhaftigen bedingungslosen Nachbeter. — Zwirn und Blumenfeld sind reine Antipoden. Beide sind ganlze Zionisten, beide stehen zu ihrer Ueberzeugung. Und beide vertreten mit Unofedingtheit in der innerzionistischen Frage die radi-