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Der jüdische Student · 1917-08-01 · Heft 4 (August 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 4 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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.574 und halten das Ringen nach einer Lösung, eiher Teillösung wenigstens, für eine absurde Ideologie, die in den Köpfen von Menschen entstanden ist, die entweder den klaren Blick für die Wirklichkeit verloren haben oder die Kraft nicht aufbringen können, dieses Leben mit all seinen Widrigkeiten mutig zu bejahen. Das beruhigende Bewußtsein, daß sie für das Glück künftiger jüdischer Ge-r schlechter wirken, genügt ihnen. Der Zionismus' ist ihnen je nach der Intensität ihres zionistischen Empfindens ein mehr oder weniger köstliches Kleinod, dem sie in ihrem Herzen einen mehr oder weniger großen Raum anweisen. Doch neben der zionistischen Kategorie leben m dem Innern des nur politisch orientierteli Zionisteti viele außerzionistische Bezirke, denn das Golusleben, das er für sein Volk ablehnt, für sich persönlicHi aber von innen heraus bejaht (auch in Palästina würde er ein Golusleben führen), vlerpflichtet einen beträchtlichen Teil seiner seelisdien Spannkraft. Er kann begeistert von der wundervollen Idee, seine besten Kräfte der Organisation zur Verfügung stellen, seine Seele^wird auch dann nicht restlos von Zionismus angefüllt sein können, weil in ihr Bezirke fest reserviert sind für die Leidenschaften, die aus dem Golus resultieren, in dem ihr Herr seinen geistigen Wohnsitz hat. - Das ist der fundamentale Gegensatz in der zionistischen Aufr fassung der beiden Gruppen, daß diese das Golus, d. h. ihr vorzionistisches Leben bejahen, während den andern Zionismus die willensmäßige Negierung ihres inneren Golus bedeutet, die leidenschaftliche Absage an ihre vorzionistische Vergangenheit. Für letz-r tere ist-der Zioinismus in der Tat die Totalität ihres Weltbildes. Sie fühlen sich .hiebt nur dem zu, neuer Herrlichkeit wiederauferstehenden Zukunftszion verbünden, sondern sie versuchen, vsich fn ihren Herzen bereits ihr neues Zion aufzubauen, das künftigen Geschlechtern vorbehaltene glückhafte nationale Eigenleben zu antizipieren.N Ich sage mit Bewußtsein: „erst künftigen Geschlechtern vorbehalteue", denn auch durch unsere eigene Uebersiedelung würde unsere in^ dividuelle Judenfrage noch nicht restlos gelöst sein, weil die Spuren des Golus sich bei noch so starkem jüdischen Intensivierungswillen nicht ganz verwischen ließen. Nicht dadurch unterscheiden wir uns von den anderen Gesirinüngs- _genossen, daß bei uns etwa alle nicht mit dem Zionismus zusammenhängenden seelischen Kategorien ausgelöscht wären. Es ist banale Selbstverständlichkeit, daß für diejenigen,. die z. B, zur Welt der Kunst ein intimes Verhältnis unterhalten, die aus dem neuen zionistischen Weltbild resultierende seelische Neuorientierung unmöglicn den der Kunst vorbehaltenen Innenbezirk verdrängend beeinflussen: kann. Solche sonderbaren Schwärmer, die eine Negierung all dieser köstlichsten Heiligtümer unseres Lebens zur zionistischen Forderung erheben, dürfen nicht beanspruchen, ernst genommen zu werden. Hier spricht dumpfer Fanatismus aus einer leeren Seele. Man kann

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