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Der jüdische Student · 1917-08-01 · Heft 4 (August 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 4 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
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Der Jüdische Student 573 II Notwendig erscheint es mir noch, auf die Anzapfung des Bbr. Krojanker zu erwidern, daß ich für die fein minutiöse Ausmessung des zionistischen Innenbezirks eintrete und mich als karrierefähiger Jünger der Bundesbrüder erweise, die den allein echten Zionismus gepachtet zu haben wähnen und von der hohen "Warte ihrer wahren Innerlichkeit mitleidsvoll auf die Andersgearteten herabblicken und je nach den Umständen in mehr oder weniger schneidigen Attacken gegen sie anreiten. Auch -hier kann ich nur wieder den eigenartigen Zufall bestaunen, daß ausgerechnet ich hierfür in Anspruch genommen werde, der ich mich seit meinen ersten Semestern geigen den im Kartell vormals — heute ist das viel besser geworden — herrschenden Geist der Ueberheblichkeit und Unduldsamkeit wende. Jawohl, ich habe gesagt, daßfür einen großen Teil der Zionisten, wahrscheinlich eine stattliche Mehrheit, der Zionismus nur eine Provinz ihrer Seele sei und dieser die andern gegenübergestellt, denen er zum alles bestimmenden Lebensprinzip geworden ist. Ich war mir schon damals, als ich diesen Gedanken niederschrieb, der Möglichkeit" bewußt, daß man mich steinigen würde, weil man irrigerweise ein Werturteil „darin erblicken könnte, und dies, trotzdem ich mich mit solcher Eindeutigkeit dahin ausgesprochen hatte, daß „alleiniger Maßstab bei der Beurteilung des zionistischen Wertes eines Bundesbruders seine Arbeitsfreudigkeit, seine zionistischen Taten" seien (S. 342 Mitte). Mir schien es nützlich, zu dem Kampfe der Meinungen, der seit nunmehr 10 Jahren das Kartell bewegt und auf der K. J. V.er-Kriegstagung wider Erwarten in recht unschöner Form geführt wurde, einmal ehrlich auszusprechen, was ist, resp. wie ich die Dinge sehe, und ich glaubte, einem wahrhaft bundesirüderliehen Zusammenleben nur dadurch die Wege ebnen zu kjöiiinen, daß ich die gedanklichen Gegensätze in aller Offenheit konstatierte, Es ist nun möglich, daß ich in der Formulierung etwas daneben^ gehauen habe, denn es ist erfahrungsgemäß sehr schwer, wenn nicht unmöglich, dem adaequaten Ausdruck zu verleihen, was man in liefster Seele empfindet. Wenn ich von der einen zionistischen Gruppe sagte, für sie sei der Zionismus nur eine Provinz ihrer Seele, so war für mich die Erwägung maßgebend, daß. diese Ziontsten im Zionismus nur das politische Unternehmen zur Erlösung des jüdischen Volkes» erblicken,, aber nicht die geistige Bewegung, die in ihren Anhängern den sehnsüchtigen Wunsch entstehen läßt nach einer, neuen Gestaltung ihres Individuallebens. Sie haben^die Tragik unseres Gorslebens erkannt, und sind seif dem Augenblicke, wo sie seine morschen! Grundlagen ins Bewußtsein erhoben, befeit, an der Schaffung neuer gesunder Lebensbedingungen mitzuarbeiten. Sie glauben fest an die Unilösbarkeit der bestehenden ^Tragik, solange wir unter einem anderen Himrnel ajs dem des judischen Zqkunftslandes, leben

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