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Der jüdische Student · 1917-08-01 · Heft 4 (August 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 4 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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572 Der Jüdische Student -kennt, weiß, daß ich die Gleichung Ostjude gleich Volljude stets <mit Leidenschaft abgelehnt habe. Ich wäre ja nicht Zionist, wenn -ich (aas jüdische Heil bei den Ostjuden zu finden glaubte. In allen Unterhaltungen, die ich mit Bundesbrüdern, die von der Ostfront ■kamen, führte, habe ich diese Meinung vertreten und habe in der ^einseitigen Verherrlichung der Ostjuden eine absurde nationalistische Ueberspannung erblickt, die sich für den westlichen Zionismus geradezu zu einer Gefahr auswachsen kann. Für uns kommt es -darauf an, klar zu sehen, um die Notwendigkeiten zu erkennen. Wenn ich also für die Zeit nach clem Kriege ein möglichst enges "Zusammenleben mit den Ostjuden als wesentlich für unsere eigene Jüdische Entwicklung hingestellt habe, so war wahrhaftig damit Glicht gesagt, daß wir unsere Herzen nur zu öffnen brauchen, damit das Heil und die jüdische Offenbarung in sie hineinspaziere und, wie durch einen Zaubertrank der neue jüdische Vollmensch, von den -Schlacken des Golus gereinigt, erstehe. Ich versprach mir weiß Gott .nichts anderes ^ls eine jüdische Bereicherung davon, daß wir Menschen kennen lernten, die noch in jüdischen Lebensformen leben, denen ihr Judentum noch eine undiskutierbare Selbstverständlichkeit bedeutet. Ich erkannte die möglichste Annäherung an unsere jüdischen Stammesbrüder als das wirksamste Mittel, unseren Nationalismus wesenhafter zu gestalten, die Volksfremdheit, an der wir alle noch so kranken, wenigstens etwas zu überwinden. Niemals •habe ich auch nur in einer schwachen Stunde mit dem Gedanken gespielt, wir wollten uns den Ostjuden anzuähneln versuchen. Und wenn Witkowsky einen Gegensatz zwischen seiner und .meiner zionistischen Auffassung dahin konstruiert, daß er in mir den rückwärts gewandten Juden mit orthodoxem Einschlag sieht, .sich selbst aber als in die Zukunft schauend und erst von dem neuen j:alästinensischen Leben das Heil erwartend, so hat er erstaunlich daneben geschossen. In dem festen Vertrauen auf die Erneuerung «des jüdischen Lebens unter gesunden Lebensbedingungen dürften wohl Zionisten aller Richtungen und Schattierungen gleich empfinden. Aber trennen tue ich mich mit Smoira von Witkowsky, wenn letzterer kategorisch die Abwendung vom Geiste des Golus predigt. Ich unterschreibe hier Wort für Wort, was Smoira (S. 492 \-Mitte) darüber sagt und habe dem nichts hinzuzufügen, weil es treffender und präziser gar nicht gesagt werden kann. — Es gibt aber auch noch einen sehr realen - Gesichtspunkt, der uns veranlassen müßte, mit den Ostjuden Berührung zu suchen. Diesen •dürften auch die „unromantischen" Zionisten anerkennen. Wir "westlichen Juden stehen den Positivs des jüdischen Lebens' mehr oder minder ahnungslos gegenüber. Dies hat> wie wir alle wissen, ~zur Folge, daß sich a limine tiefe Trennungsmomente zwischen uns sund den andern herausstellen. Bedeutet da die Bereicherung unseres jüdischen Wissens-nicht eine zionistische Notwendigkeit?

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