Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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|tt#iPl^^ x**« V; .-."*'" " Der Jüdfscüe Student 571 ia uns lebe,, wie damals, als wir nur durch den Radikalismus seiner Zielsetzung zum Zionismus gelangten. „Wir haben kein Interesse an einer verbesserten,, jüdischeren Auflage unseres vorzionistischen Le^ bens. Jedes noch so vollkommene Leben in Golus kann immer nur ein mehr oder minder befriedigendes Surrogat sein. Wir brauchen dieses Surrogat, und müssen es uns so vollkommen gestalten, wie eben ein Surrogat sich vollkommen gestalten läßt, denn die . Aussichten einer Uebersiedelung sind für heute und morgen noch ganz minimal. Aber Palästina kann nie und nimmer aus unserer Wunschperspektive ausscheiden." (Seite 351 Mitte.) Hierdurch glaube ich klar genug zum Ausdruck gebfacht zu haben, daß ich all meine Vorschläge^ zur Judaisierung unseres Goluslebens nur alsgroßie Notbehelfe betrachte, zugleich aber als die einzigen Möglichkeltert für diejenigen, die den Drang in sich fühlen, die jüdische Seite ihres Lebens zu beschweren, und als notwendige Vorbereitung für die Zionisten, die ernsthaft an eine Uebersiedelüng nach Palästina denken. Stellt sich die Uebersiedelung nur als eine physische Transplantation dar, dann fehlt ihr der zionistische Wert. Das bisherige Golu sieben würde sich nach einem anderen Lande verpflanzen. Will der Uebersiedelnde zu einem wahren Gliede der neuen Gemeinschaft heranreifen, so muß er schon vorher die Grundlagen für die innere Wiedergeburt zu schaffen suchen. Und für die andern, die hier bleiben werden, weil die seelischen Bindungen an Deutschland überstark sind, oder weil sie drüben keinen Platz sehen, den sie ausfüllen können, oder weil familiäre Verpflichtungen sie der Freiheit des Wollens und Handelns berauben, erwartete ich eine Gesundung, wenn sie meine Vorschläge in die Tat umsetzten. Gewiß bedeutete damals, als wir Zionisten wurden und uns für unser Judentum entschieden, das willensmäßige Bekenntnis eine erschütternde Revolutionierung und verlieh uns das Glücksgefühl der inneren Freiheit. Das braucht uns Krojanker nidht so emphatisch zu versichern, denn das ist uns, die wir zum Zionismus' gelangten, als das Hebräisdilernen noch nicht „Mode&ache" war, wohl bekannt Doch diejenigen, die im Zionismus mehr sehen als die politische- Organisation mit dem Ziele des Basler Programms, können auf die Dauer von der damals empfundenen Berauschtheit über unsere neue Willensrichtung nicht leben. Es drängt sie, von der Abstraktion zur realen Einführung in die jüdischen Zusammenhänge, vorn toten Begriff zum gelebten Judentum zu gelangen. Das Gefühl des Unbefriedigtseins wird immer elementarer in ihnen mächtig, wenn sie zwischen den ernüchternden Tatsachen ihres deutschen Anwalts- und Aerztelebens und dem fernen traumhaften Ideal keine- Brücke entdecken können. - Ich habe niemals, auch nur im entferntesten, daran gedacht, daß wir zu Volljuden werden könnten,, wenn wir den geistigen und menschlichen Kontakt mit den Ostjuden erreichten. Wer mich etwas-