Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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564 Der Jüdische Student Zufälle der Bodengestaltung und eine Durcheinanderwürfelung verschiedener Rassen auf engem Räume stehen der Ausbreitung Israels entgegen. Wie ein Riegel legt sich das fremdrassige Philisterxolk vor das Meer und schafft eine gewisse bäuerliche Zurückgebliebenheit. Jesaja nennt das Handel treibende Tyrus eine Hure, die mit allen Reichen der Welt buhle, und vergleicht den Handelsgewinn mit schmutzigem Buhlerlohn (Jes. 23, 17), und noch Jecheskel spricht verächtlich vom „Krämerland" Chaldaea. Nord- und Südreich lagen miteinander und ihren Nachbarn in ständiger Fehde, die eine kraftvolle Staatgründung nicht zuläßt. Und doch lebt in diesem kleinen, zwischen die großen Weltreiche eingeklemmten i;nd von ihnen dauernd bedrohten LVolke ein glühender, unauslöschlicher Drang nach Macht und Herrschaft von unvergleichlicher Leidenschaft. Unfreiheit und Knechtschaft erscheint von jeher als schwerste Strafandrohung. Was es aber in seiner religiösen Entwicklung von andern Völkern unterscheidet, zeigt sich erst gegen das Ende seiner Selbständigkeit. Die Gottwerdung Jahwes ist die typische. Dem Baal und Dagan zeigt er sich mit der wachsenden Macht seines Volkes überlegen. Wer gleicht ihm unter den Göttern? Er hat die Götter über die Völker als Richter eingesetzt, zürnend steht er in der Gottesversammlung und inmitten von Göttern hält er Gericht. Er droht ihnen, wenn sie ihr Amt nicht gewissenhaft ausüben, sie wie irdische Herrscher sterben zu lassen (Ps. 82). Aber je stärker die Widerstände werden, die sich dem Machtbedürfnis §eines Volkes entgegenstemmen,, — darin liegt die Eigenart des jüdischen Geistes — um so herrlicher wächst die Macht Gottes, bis es keinen Gott mehr neben ihm gibt, die ganze Welt ihm Untertan ist. Je kläglicher die Gegenwart, -um so glühender der Wunsch nach Macht, um so strahlender die Kraft Gottes, der sein auserwähltes Volk allen Bedrängern zum Trotz Sieg und Beute verleihen wird. Als endlich das Reich zusammenbricht, jede Hoffnung auf Macht und Herrschaft geschwunden scheint, erwächst aus dem unerschütterlichen Glauben an Gottes unendliche Größe, die heroische Gesinnung des jüdischen Volkes sich offenbarend in der Esthatologie, deren letzter und höchster Sirin die Herstellung der jüdischen Machtfülle ist. Indische Resignation und jüdischer Prophetismus sind die Pole heroischer Gesinnung. Dort aus tiefster metaphysischer Erkenntnis Verzicht des Starken auf Sein und Wirken, hier in seliger Hingabe an seinen Gott der unauslöschliche Drang des Schwachen nach irdischer Macht. In seiner „Entwicklung des Christentums" sagt Pfieiderer: % . Tatsache ist, daß nach der von Jesus gestellten apokalyptischen Auffassung vom Gottesreich dieses auf das jüdische Volk beschränkt war. . . . Die Heiden sind von diesem Reich ausgeschlossen oder können von seinen Segnungen doch nur soviel Anteil bekommen, wie die Hunde von den Brosamen; der Tische ihrer Herrn. Und wie dieses Reich ein jüdisch-nationales ist. so ist es auch ein irdischer Glückszustand, er verheißt den Frommen