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Der jüdische Student · 1917-08-01 · Heft 4 (August 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 4 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Der Jüdische Student 563 stehung und Entwicklung des primitiven Gottesbegriffes verständlich. Der ursprünglichen hilflosen, scheuen Anbetung der Naturkräfte, übermächtiger, erbarmungsloser Dämonen, die mit Donner und Blitz, Regen und Sturm, Hunger und Durst über die gequälte Kreatur herfallen, folgt mit der Erstarkung der geistigen Kräfte» dem ersten Können und Beherrschen des1 Zufalls die dankbare Vierehrung des hilfreichen Gottes. Mit jedem Sieg über den Stoff, mit jedem Zuwachs an Macht ändert er seine Gestalt, ein Idealbild, seines menschlichen Schöpfers. Ihm dankt der Sieger den Erfolg über seine Feinde, die Niederlage sucht er durch Bittgebete und Opfer abzuwenden. Tritt das Leid trotzdem ein, so forscht er* warum sein Gott ihm die Hilfe versagt, bekennt seine Sünden, d. h_ ungenügende Anbetung des Gottes und sucht Versöhnung durch Sühnegaben zu erlangen. Ist das Unglück trotz allem nicht ßtizür wenden, hat sich der Feind doch stärker erwiesen, so wendet sich der Abtrünnige der überlegenen Gottheit des Siegers zu". Mit der Freiheit eines Volkes oder Stammes sinkt seine Gottheit dahin. Ein typischer Vorgang, den die Geschichte des Altertums uns hun^ dertfältig zeigt, ist diese religiöse Reaktion des Primitiven auf das Leid oder die Hemmung seines Willens1 2um Leben. Wo aber eine Umkehrung von Ursache und Wirkung erfolgt, wo also die Gotteserkenntnis allen Erfahrungstatsachen zum Trotz eine Brechung des Machtwillens oder seine höchste Steigerung bewirkt, ist die heroische Gesinnung, die Ueberwrindung des primitiven Menschen zutage getreten. Zum ersten Male in der Mensehheits!gesdüchte begegnet sie uns in der Entwicklung des indischen Geistes. Ein mächtiges, un-r bedrohtes im Ueberfluß lebendes Volk wendet sich gereift im Denken den letzten Fragen des Seins, dem; Sinn des Leidens der e i nz e Inert Kreatur zu. Der Starke, Herrschende firidei im Du das Ich, erkennt die Welt als eine Fülle von Strebungen, die gleichen Wesens und gleicher Quelle entstammend unter dem trügenden Schein des Schleiers der Maya gegeneinander ringen und in jedem Augenblick des Wirkens Leid zufügen und erdulden. Völlige Resignation, Verzicht auf Macht und Sein, Mitleiden alles Leids: Es ist jener unvergängliche Heroismus1, den wir den indischen Gedanken nennen. Das klägliche Zerrbild dieser vbn allem irdischen Wollen erlösten "Duldsamkeit des Starken bildet wie in eineni Hohlstpiiegel das Judentum'Ider Diaspora, das Toleranz und Gerechtigkeit als sittliche Postulate aufstellt, das geknechtet und gedrückt von 'den Bedrängern ^Minderung ihrer Macht fordert, also selbst erfüllt ^vom Willen zum Leben tatenlosen Machtzuwachs heischt und sidh inj dieser 'Reaktion wie 3er ptjlmitive Mensch verhält, de rseine Dämonen um: Schutz gegen Kräfte anfleht,, die er nicht meistern kann. Und doch gab es r— tiefste Tragik unseres Seins! — im Brophetismus unseres Volkes einen Indiens würdigen Gegenpol. Widrige

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