Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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schwlundeh, aber der männliche Wille zur Macht und Herrschaft juflyerändert geblieben. " Ich bin mir bewußt, mit dieser Auffassung, der ich für die -Theorie des Zionismus wie ich noch Zeigen werde, die größte Bedeutung beilege, im schärfsten Gegensatz zu der audh von Blumenfeld geteilten Anschauung von der reinen „Geistigkeit" des Prophetismus mich •zlu befinden1. \ , Fraglos ist der religiöse Gedanke Israels größtes'Werk. Aber es s geht nicht an, ihn aus seiner Zeit herauszuschälen, und ihn mit ^europäischem Mäßstabe zu mes&en. Der ganze Orient zeigt eine : Intensität des religiiöislen Schaffens, wiie sie die MenscliheitsgeschCcihte nicht wieder gesehn hat. Indische Religions'philos'öphie hat noch :.lm neunzehnten Jahrhundert Männiern vom Range eines Schopenhauer völlig Genüge getan. Herodot nennt die Aegypter -das religiöseste Volk der Welt, das seine Lieder und Gesänge nur zur Verherrlichung seiner Qöjtter anstimme, Gebete voll inniger Gottesverehrunjg sind uns inzwischen aus, den Funden der Neuzeit bekannt geworden, die alexandrinischen Mysterien verheißen den ■ Menschen selige Unsterblichkeit, das Gilgameschepos läßt uns den -tief religiösen Sinn der Zwieistromländer ahnen, babylonische Buß- ^gebete sind das Vorbild unserer Bußpsälmenr im dritten Jahrhundert -unserer Zeitrechnung hat der persische Mithrakult, wie der Belgier tüumont nachwies, einen großen Teil Europas s'icfi bereits unter- :w|orfen, mit ihm mußdas^Christenlum den letzten schwersten Ent- *sckeidqngskampf bestehen. Der syrische Baal wird als „Herr'der ^Ewigkeit", „Beherrscher des Himmels^ dessen Name gelobt wird in Ewigkeit" angebetet. „Die syrischen Priester verbreiteten in der römischen Welt," sagt Cumont, „die Idee, daß Gott ohne Anfang und ohne Ende sei, und-trugen so, ähnlich wie der jüdische jProphetismus, dazu bei, einer Vorstellung, die bisher nur eine metaphysische Theorie gewesien war, die Autorität eines religiösen Dogmas zu geb^en. . .; Man brauchte nur noch eine Fessel zu zerschneiden, indem man diesen Gott, der in einemfernen Himmelsraum residierte, über die Welt zu einsamer Größe erhob1, um zum christlichen Monotheismus zu gelangen." Alle diese Völker, und Israel mit ihnen, sind nicht in dem Sinne «geistig", daß sie auf Macht und Herrschaft, das heißt auf politische Entwicklung über ihrem Suchen nach Gott verzichten. Im Gegen- - teil Macht und Gottesbegriff stehen immer im Verhältnis von Ursache und Wirkung. Wie dieser Satz! zu verstehen ist, wird aus dem Folgenden ersichtlich, -Begreifen wir mit Mauren b recher und anderen Religions- Philosophen das dem Menschen innewohnende Bedürfnis', sich des 4em tätigen Leben aufs engste verbundenen Leidest bewußt zu werden^ nach Ursache und Sinn der Leiden -zu fragen, als die Urslache aller Religiosität so wird uns1 tlie allen Völkern gemeinsame'Ent-