Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der judische Student 561 iassen? So tötet nurr~alles, was männlich ist unter den Kindern» ebenso tötet jedes Weib, dem bereits! ein Mann beigelegen hat." Und es ergab sich diese stattliche Beute: 675 000 Schafe, 72000 Rinder, 61000 Esel und 32 000 Mädchen, denen noch kein Mann beigelegen hatte (IV 31). 1 . So sah ohne Philologie und literarhistorische Anmerkungen.. die Geistigkeit von Möschen rabbenu aus1, der nach Bhimenfeld der Gewalt der Arme die geistige Kraft vorzog und es aus Geistigkeit verschmähte, den Zug durch die Wüste kurzer Hand in wenigen Wochen abzitfmachen. Nicht anders w!ar die Art jener Helden, die unter Josua Kanaan in Besitz: nahmen und ihrer Nachfahren aus: der Richterzeit, jenes Benjameniten Ehud, der, obwohl Linkshänder^ dem König von Moab das Schwiert in ,den Leib stieß-, daß nach der Klinge auch das Heft noch eindrang, und das Fett die Klinge umschloß, jenes Samgar, der sechshundert Philister mit einem Ochsenstecken erschlägt, des Helden Gideon aus dem Stamme Manasse,, der es verschmäht mit zehntausend Israeliten gegen die Midianiter zu kämpfen, und sich mit dreihundert begnüg^ die geschickt genug sind, wie Hunde, das Wasser aus der Quelle zu lecken, der die midianitischen Könige ins Ostjordanland verfolgt, erreicht und auf seine Frage, wie die von ihnen am Tabor erschlagenen israelitischen Männer gestaltet gewesen wären, die Antwort erhält „Ganz wie du, waren sie; jeder sah ausi wie einJKönigssohn"; des Recken , Abimelech, der von einem Weibe durch einen herabfallenden Mühlstein getroffen wird und von seinem Diener mit dem1 Schwerrt siich % töten läßt, damit es nicht heiße, ein Weib habe ihn getötet---- Ich sprach von dem männlichen, kraftstrotzenden, naiven Geist eines Eroberer- und Herrenvolkes und fühle mich immer noch gegen den Spott Blumenfelds gewappnet. Blumenfeld sieht die Dinge anders und eine Verständigung ist deshalb ausgeschlossen, [weil . es sich letzten Endes um ein künstlerisches Schauen handelt, jwie Krojanker treffend bemerkt. . Nur wäre es zweckmäßiger, die Frage nach dem historischen Verständnis ganz auszuschalten. Denn „ ich hoffe, Blumienfeld nMit nahe zu treten, wenn ich in seinem kategorischen Urteil über mein geschichtliche^ Begreifen eine Verkennung unseres geistigen Kräfteverhältnisses erblicke, die mich heiter stimmt und mir die Frage auf die Lippen drängt, ob er überhaupt jemals die Bibel mehr als oberflächlich' gelesen hat. Ich möchte es aber doch als ersprießlicher ansehen, midi mir an die Sache zu halten, und komme damit zum Geist des Prophetistnus und der nachexilischen Zeit; dem schwierigsten Problem, das ich an anderer Stelle ausführlich zu behandeln hoffe und hier nur skizzieren kann. Die rauhen Kriegersitten sind gemildert, das1 Gottesgefühl ist inniger geworden, die Menschenopfer (Jephthas Tochter) sind ver-