Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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an der Schwelle Palästinas und zu' einer Zeit, in der das Aramäische, als vorderasiatische Verkehrssprache noch eine hochwichtige Rolle spielte. Vielleicht wird dann ersichtlicher, welchem Illusionnismüs die „neue Richtung" sidi hingibt. Gegenüber der Erwartung Holdheims, daß wir durch ein eijges Gemeinschaftsleben mit musteren östlichen Brüdern zu ganzen Juden würden, habe ich betont, daß jene ebenso wie wir von ihrer pmgebung beeinflußt sind und voraussichtlich im Genuß der bürgerlichen Freiheit den gleichen Weg der Assimilation gehen werden. Blumenfeld, der vorgibt, die Ostjudenfrage gründlicher zu kennen, glaubt meine Auffassung dadurch zu widerlegen, daßl er auf die im leidenschaftlichen Tempo sich vollziehende, fast jedes Jahr Ueberrasöhmigen bringende Entwicklung des jüdischen Lebens in Rußland hinweist. Im Jahre der Progrome revolutionärer Bundismus und antijüdisches Intelligenzlertum, nach der Revolution große Apathie, seit sechs Jahren Zeire Zion *) und Hechawer. Ja, ist das nicht ein getreues Spiegelbild der „großen, russischen Seele"? Ist dieser Taumiel von einem Extrem ins andere, sprunghaft und unvermittelt, autochthon jüdisch und sind wir in unserem bedächtigen, nach deutscher . Art beständigen Wesen die in Assimilation Entarteten? Oder war es doch vielleicht der russische Einschlag, der bisweilen ein inneres Fremdsein zwischen uns und unseren Brüdern aufkommen ließ? Blumenfeld mag sich die Frage selbst beantworten, ob er mir nicht das beweiskräftigste Material für meine Behauptung, daß wir alle, Oestier und Westler, von der Umgebung geformt werden, geliefert hat. Am meisten macht Blumenfeld meine öegenübersfellung des Geistes der Bibel und der Diaspora zu schaffen. Hier holt er zu einem kräftigen Schlage aus, indem er an die Spitze seiner Betrachtung den apodiktischen Satz stellt, daß mir die pähigkeit, ,menschliche Dinge in der Entwicklung zu sehen, die Fülle der Erscheinungen , auf mich wirken zu lassen, kurz, die Vergangenheit historisch zu betrachten", fehle. Ich will die Frage ununtersucht lassen, was Blumenfeld nach Bildungsgang und Anlage berechtigen könnte, ein solches a-priorisches Urteil über mich zu fällen. Da klie; Antwort uns sachlich nicht weiterführen würde, ziehe ich es vor* an dieser Stelle näher zu begründen, was ich in meinem AufSafe nur kurz andeuten konnte. - Zunächst kann ich Blumenfeld versichern, daß mir, als ich mich vor sechzehn Jahren aus innerstem Bedürfnis an das Studium der Bibel und des vörderasiatischen Kulturkreises machte, die itr alldeutschen Kreisen herrschende Vorstellung vom Wesen deutscher *; N.B. Der Zeire Zion, wie Blumenfeld sagt, sollte in unserer Zeitschrif t eigentlich, um ini Oürialsfile Erich Cohns zu" reden, „unzulässig" sein. «.- - - - - - - , - , - 4