Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537725--4017-3541759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-$»«^<*«ä5<9J?f^ 556 . \j>erjüdischeSiuiieni ^-^;;-^;^,-r;>- ^' — immer von Ausnahmen abgesehen — dea meisten t-müberwindliche- Schwierigkeiten entgegenstellen, wenn wir uns nicht entschlfeß.ein, zu den Erziehungsmethoden des Cheder zurückzukehren,, und toter Vernachlässigung' der äußern Lebensbedingungen uns mit der Intensitätdes Talmud-Thorastudiuims vergangener Zeiten dem nLernen" zuzuwenden. Es ist mir natürlich nie eingefallen, die führenden Männer der hebräischen Bewegung Analphabeten zu nennen. Denn es ist mir gut bekannt, daß die Histhadruth-Bewegung jin Deutschland, in der vom Kartell meines Wissens vor allem Loewe und Weil sich betätigten, mit dem Kreis um Blumenfeld nichts- 2u tun hat. Es konnten also sinngemäß inur die Jungen 'gemeint, sein, die im hebräischen Studium ihre jüdische Seele z:u entdecken hoffen und mit diesem Streben eine neue Richtung im Zionismusfundiert zu haben vorgeben. Aus dem] unnützen Wortgeplänkel und . dem dicken Nebel der Gefühlsseligkeit können wir indessen nur herauskommen, wenn wir uns immer wieder an der Wirklichkeit orientieren. Ich bitte deshalb Blumenfeld, in diesen Blättern zu erklären, wie weit er im Hebräischen gekommen ist. Er ist ireich begabt^ seit fast einem Jahrzehnt ist die zionistische Tätigkeit sein Lebensberuf, steht ihm mehr Zeit zur Verfügung, als1 den meisten von uns, die wir mit Berufsarbeit überlastet sind. Hält er sich für befähigt, eine verhältnismäßig unschwere Aufgabe zu lösen, etwa eine kleine Erzählung im Seman 'Awar unter Benutzung des Waw Hahippuch im 'Athid einigermaßen fehlerfrei wiederzugeben? .Wenn ja, kann er im Zweifel sein, was er noch für einen schier endlosen Weg zurückzulegen hätte, um in völliger Ehrlichkeit gef?en sich selbst von einer seelischen Beeinflussung durch das Hebräische sprechen zu köinnen? Gegenüber solchen Fragen ist das Wenige, das ich über die Entwicklungsfähigkeit der hebräischen Sprache angedeutet habe, bedeutungslos und kann füglich aus der weitern Erörterung .ausscheiden. Dagegen darf Blumenfelds Hinweis auf die im babylonischen Exil entstandenen biblischen Werke als ein Beweis, daß. auch unsere hebräische Bewegung unserm Geiste Genüge tun könnte, hiCht unwidersprochen bleiben, weil eine solche Parallele aus geschichtlichen Gründen unmöglich istjecheskel ist als gereifter Mann im Exil gegangen, Deuter ojesaja hat vielleicht seine Kindheit in Juda verlebt, sicherlich hatte er lebende Zeugen der Erinnerung an die Heimat um sich. Jeder Tag konnte ihrem stürmischen Begehren die Erneuerung des Vaterlandes bringen. Kautzsch vergleicht die . Hoffnungen jener Zeit mit der Sehnsucht und Erregung, die das von Napoleon geknechtete Preußen erfüllten, als die KriegsnaChrichten aus Spanien, Oesterreich und Rußland eintrafen. Soll überhaupt ein geschichtlicher Vergleidh. gezogen werden, so täten wir besser, uns.die,zwingenden Gründe, zu vergegenwärtigen, die zur Uebersetzung der Bibel ins Griechische geführt haben — gleichsam