Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537725--4016-3541758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^^^^^i^^^^^^^^^^^^^^i --^tsg^g^^ janker sehe ich die-Gefahr in Blümenfeldszu Dogmen erhobenen Anschauungen. Dagegen fehlt mir jeder Anlaß, mich mit Blumenfeld selbst'auseinanderzusetzen, nicht nur, weil ich seiner Persönlichkeit und seinem Wirken ein hohes Maß. von Wertschätzung entgegenbringe. Was er auf dem Kartelltag forderte, ist ist mir von je selbstverständlich gewesen, was er von seinen Forderungen an ,.,Verinnerlichung" des Zionismus erwartet, habe ich ebenso beharrlich zu allen Zeiten abgelehnt. Da ich aber nicht, wie ErichCohn es tut,. Blumenfeld eine Führerrolle im deutschen Zionismus zuerkennen kann, weil seinem zionistischen Denken die Allgerneingültigkeit fehlt, weil es nach meiner Ansicht wenigstens ein halbes Dutzend Männer in unserer Bewegung gibt, denen der Zufall der . äußern Lebensgestaltung die gleiche Auswirkung ihrer Fähigkeiten* hätte bringen können (worauf ja auch Krojanker hinweist) — so. be- " stand für mich nicht das geringste Bedürfnis, den Gegensatz der Temperamente wieder einmal zu beleuchten. Es wäre ein zweckloses Bemühen gewesen. Anders mußte natürlich mein Verhalten dem Jünger gegenüber sein,'der mit fertigen Lehrsätzen vor1 unsi tritt. Ich erwähne sie noch einmal, um mich gegen den Vorwurf zu wehren, daß ich Woldheim unrichtige Behauptungen nachsage. ,1. „Denn nur ein enges Gemeinschaftsleben mit unsern östlichen Brüdern wird uns zu ganzen Juden machen können." 5&. Erst wenn wir in der i-age sein werden, hebräische Zeitungen zu vorstehen, hebräische Dichter zu begreifen, werden wir den inneren Anschluß an unser Volk, den wir Westjuden seit einem Jahrhundert . verloren haben, wieder erlangen, erst dann werden wir behaupten können, daß wir ein jüdisches Leben führen, erst dann werden wir für'die uns durch die Zionistwerdung geraubten anderen Inhalte neue vollwertige jüdische finden." Diese Sätze sind nicht mißzuverstehen und ich hätte meinen Ausführungen nichts hinzuzufügen, — wenn nicht Blumenfeld, trotzdem er anscheinend die beiden Dogmen ablehnt, es für nötig befunden hätte, meiner Entgegnung; eine ausführliche Antwlort folgen zu lassen. B1 u m e nf e 1 d richtet an micih die rhetorische Frage, ob ich den Lerneifer der Jugend abkühlen wlolle. Diese Frage „geht fehl". Nachdem es mir 'gelünigen ist, sieit einem' Jahre mit geringen Unterbrechungen durch einige Kampftage drei bis fünf Stunden täglich hebfäisc'h/zu lernen und also aus' dem Gröbsten herauszukommen, berüljrt mich der versteckte Vorwurf nicht. Vielmehr kann ich heute über die Erlernung der hebräischen Sprache aus Erfahrung mitreden1. Wenn ich von Sprachkünstlern absehe, So kann den meiste^ von uns nur eine so erzwungene Untätigkeit, wie sie uns ider Krieg draußen gebracht hat, die Möglichkeit zur Erlernung unserer Sprache geben. Fällt dieser Zufall, der hoffentlich nicht so bald wiederkehren wird, fortj so wird iBerufsarbeit und Zerstreuung durch die Umgebung