Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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gleichzeitig entschloß sich Blumenfeld einige Aenderungen seiner Antwort vorzunehmen, die es mir erst ermöglichen, mich mit ihm im J. St. auseinanderzusetzen. Dagegen habe ich mit Verwunderung die Ausmerzung einer Stelle festgestellt, die ich hier erwähnen nuißr nicht um einen billigen Triumph zu feiern, sondern Weil sie (mir für die sachliche Wertung meines Aufsatzes bedeutsam erscheint. In dem Bürstenabzug, der mir vorliegt, spricht Blumenfeld zunächst sein schmerzliches Bedauern aus, auf eine Aussprache mit einem ebenbürtigen Gegner, wie Krojanker verzichten zu müssen, um sich dann mit halb /mitleidsvoller, halb anklagender Geste mir zuzuwenden. Dies sei mir zugute gehalten, das rechtfertige mich noch,.jenes, aber entschuldige mich nicht mehr. Wer diese Stelle aufmerksam liest,, wird den Riß-, den Blumenfelds Antwort dadurch erhalten hat. unschwer herausfühlen. Und nun ergibt sich die überraschende Tatsache, daß Krojanker, dem Blumenfeld genaue Kenntnis der Strö,- mungen im Kartell und Reife des Urteils zuerkennt, in völliger Unabhängigkeit von mir und in viel prägnanterer Fassung das zum Ausdruck bringt, was ich mich zu sagen abmühte. Was ihm als hassenswerte Methode geistiger Ueberheblichketi und Intoleranz erscheint, was Zwirn, wie mir berichtet wurde, zu stürmischen Ausbrüchen seines Temperaments hinriß, war mir, der ich den Dingen leider ferner stehe, ein Gegenstand heiterer Verwunderung, die auszusprechen idi schließlich für meine Pflicht hielt. Wäre mir Krojanker zuvorgekommen, nichts hätte mich veranlassen können, die Zurückhaltung aufzugeben, die meine Stellung im Kartell mir von jeher vorgeschrieben hat. Ich erwähne diese Dinge, um mich «von dem Vorwurf zu reinigen, daß ich in völliger Unkenntnis des innern Lebens im K. J. V. izu Fragen Stellung genommen habe, von denen ich im Grunde nichts, verstehe. Daß ich dem Manne Genüge getan, den Blumenfeld sielbst als seinen würdigsten Gegner bezeichnet, befreit mich wohl von dem Verdacht leichtfertigen Redens. Der ganze Streit läuft schließlich auf die Frage hinaus, ob ich berechtigt war, H o ld h e i m feinen Jünger Blumenfelds zu nennen. Nach dem Inhalt der „Rückblicke und Ausblicke'1 kann doch — meine ich — [gar kein Zweifel Vorhanden sein, wie er zu Blumenfeld steht. Von ihm stammt die (Gruppierung der Richtungen Blumenfeld und Zwirn, zwischen denen eine Weltanschauung liege. Auch Weiß nennt Holdheim einen Jünger seines Meisters (S. 442). Den Blumenfeld von gestern lehnt Holdheim zwiar ab, doch um so freudiger bejaht er den Blumenfeld von heute, der den neuen Weg zwar noch nicht gefunden habe, aber doch bestrebt sei, den Nationalismus „wesenhafter" zu machen. Und nun zeigt Holdheim, wohin nach seiner Ansicht die neue Richtung, führen: müsse. Habe ich leichtfertig gehandelt, als ich Holdheim, der selbst angibt, Blumenfelds Ideen Weiter auszubauen, ohne daß sein Meister Widerspruch ern?bt im J. St. entgegentrat? Gleich Kro-