Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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liehst geschlossen auf einem Sondergebiete der jüdischen ,VolksärBeit"- betäfigen. Dazu ist nötig, daß jede Korporation sich ein spezielles Betätigungsfeld außerhalb der Korporation wählt. (Es soll hier zunächst einmal nur von Berliner Verhältnisisen gesprochen und später davon geredet werden, inwieweit die Neuordnung auf die Provinzverbindungen rüdewirken wird. Die Vorwürfe wegen der Berliner Einseitigkeit haben Wir schön so oft gehört, daß sie allseitig als bekannt vorausgesetzt werden dürfen.) Es ist nicht" zu befürchten, daß solche korporative Tätigkeit * außerhalb1 der Verbindung die -Korporation schwächen wird.; es ist vielmehr anzunehmen, daß. dieses tätige Gemeinschaftsleben den Zusammenhang und das bundesbrüderliche Gefühl der Verbundenheit stärken wird. Auf diesem Wege hoffen wir auch zu einer Lösung der Blau-Weiß-Frage zu kommen. Diese Frage existiert und sie ist für uns von größter Bedeutung. Wir müssen nun einmal mit der Tatsache rechnen, daß der Blau-Weiß bereits jetzt einen großen Teil der jüdischen Gymnasialjugend in den großen Städten hinter sich hat und immer größere Kreise erfassen wird. Wir müssen weiter damit rechnen, daß. der Blau-Weiß seine Jungens so stark beeinflußt, daß wir im Kampfe gegen den Blau-Weiß um die Seelen der Keilfüxe unterliegen würden. Wer glaubt, daraus'einen Vorwurf gegen die im Blau-Weiß arbeitenden und führenden Bundesbrüder herleiten zu können, verkennt das Verhältnis zwischen der Idee und ihrem Urheber. Einmal losgelassen wird die Idee selbständig und schert sich den Teufel noch um ihre Väter. In diesem Sinne ist auch die Blau-Weiß-Bewegung ihren Gründern über den Kopf gewachsen. Das spricht nicht gegen die Gründer, sondern nur für die Idee. Wir müssen zu eurer Verständigung mit dem Blau-Weiß kommen; zunächst denke ich nicht an eine Verständigung auf gedanklichem Gebiet —- da mag der Kampf weiter dauern und hoffentlich Fruchtbares gebären —, sondern an eine Verständigung auf praktisch organisatorischem Felde. Der Blau-Weiß kann nicht auf alle aus ihm. hervorgehenden Keilfüxe vorbehaltlos zu unseren Gunsten verzichten; er ist darauf angewiesen, aus ihrer Zahl seine Führer zu nehmen. Inaktive und Alte -Herren können im allgemeinen die weitgehenden Pflichten eines Führers Inicht atfF sich nehmen, es müssen schon Aktive sein.. Eine _ Losung der Blau-Weiß-Frage scheint daher nur in der Weise möglich Zu sein, daß alle diejenigen, die als Blau-Weiß-Führer in Frage kommen, sich um eine Korporation gruppieren. Die.Jungens wür- \ den also zunächst zwei Semester als Füxe aus dem Blau-Weiß ausscheiden' und vollkommen in der Korporation aufgehen. Nach' Abschluß der Fuxenerziehung als' aktive Burschen dagegien würden sie als Blau-Weiß-Führer tätig werden; ein erheblicher Teil ihrer Korporationstätigkeit würde sich nunmehr im Blau-Weißi abspielen. Aber da die Mehrzahl der Alctivitas durch diese Arbeit als Blaii-WeißeFührer verbunden wird, dürfte der korporative Zusam-