Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4 (August 1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 543 1. Erziehungsarbeitinder Korporation. Wir stehen auf dem Ständpunkt, daß sich un^er Erziehungsprogramm im großen und ganzen bewährt hat. Die Erziehung unserer Füxe wird im allge-. meinen1 nach den vor dem Kriege erprobten Methoden zu erfolgen haben. Dabei ist völlige Konzentration der Fuxenbetätigung und Fuxeninteressen auf die Korporation erforderlich. Nur dann wird es möglich sein, den Fuxen vollkomm'en in unsern Ideenkreis Izu ziehen, ihn bei uns Wurzel schlaget zu lassen. Er mag bis dahin Blau-Weiß, Jung-Judäer oder sonst was gewesen sein, er mag sich schon1 in der jüdiscfien Bewegung umgesehen und hervorragend betätigt haben, jetzt muß er erst einmal einsehen lernen, daß dasK. J. V. die höchste Form der jüdisc'hrnationalen Jugendbewegung ist, daß er in' eine Gemeinschaft kommt, die ihm Wertvolleres zu bieten1 hat als die Kreise, aus denen er kömmt. Das kann aber nicht durch Schneid und forsches Kommando des Fuxmajors erzielt werden; es genügt auch nicht das uns erhebende Bewußtsein, daß wir dem Fuxen etwas zu geben haben, sondern es ist nötig, daß wir ihm eben' wirklich etwas bieten. Es ergibt sich hieraus für alle Bundesbrüder die Aufgabe, an der Fuxenerziehung teilzunehmen, für alle, insbesondere für die Alten Herren. Die Alten Herren müssen in viel stärkerem Mäße als bisher die jungen Bundesbrüder, insbesondere die Füxe an sich heranziehen; sie müssen die Füxe teilnehmen lassen an ihrem jüdischen Leben. Der Fux muß bei uns den jüdischen Mann und seine Probleme erleben, muß einsehen, daß seine Jugend nicht restlos alle Fragen lösen kann, daß auch ihm die Probleme bevorstehen, mit denen unsere Besten ringen. Rein menschlich müssen sich Fux und Alter Herr dazu nahekommen. Wie das geschehen kann, soll hier nicht im einzelnen ausgeführt werden. Es sei nur angedeutet, daß die Freitagabende bei den Alten Herren nach dieser Richtung hin auszugestalten sind. Gewiß, der Alte Herr soll auch mit seinen jungen Bundesbrüdern wandern, singen und auch trinken, aber an den Freitagabenden soll er ihnen doch noch etwas mehr geben als Tee und Cakes. 2. Korporative Arbeit außerhalb der Korporation Auch nach der Fuxenzeit hat die Betätiggung der Aktiven ihnen Schwerpunkt in der Korporation. Aber wir müssen#uns mit dem1 Gedanken vertraut machen, daß bereits der Aktive beginnen muß, sich außerhalb der Korporation zu betätigen. Wird er nicht schon als Aktiver hineingezogen in den Strudel der jüdischen Bewegung, so findet er später schwer den Zusammenhang: von dem' Inaktiven ist eine Tätigkeit nun selten zu verlangen; der junge Alte Herr scheidet oft (als Referendar oder Medizinalpraktikant) für längere oder kürzere Zeit aus unsrem Kreise. Die Bedenken, die einer Betätigung der Aktiveri außerhalb der Korporation entgegenstehen, "können zum großeil Teil dadurch, beseitigt werden, daß' diese Betätigung korporativ erfolgt. Die ganze Aktivität einer Korporation soll sich m<ög-