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Der jüdische Student · 1917-08-01 · Heft 4 (August 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 4 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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V^fT'WT^ ■ l^-£^^/|f^ 542- Üer Jüdische Student :< ' "-:*-\ iri der 'Korporation zu betätigen habe. Die Korporation nahni den Aktiven derart in Anspruch, daß ihm für eine Arbeit außerhalb der Korporation keine Zeit blieb; und solche Arbeit .außerhalb^der Korporation galt auch nicht als erwünscht, weil sie die korporative Erziehung! gefährdete. Die Gründe dieses System^ sind bekannt. Es kam uns darauf an, die Korporation zu einer eng umgrenzten Lebensgemeinschaft auszugestalten; die den Einzelnen vollkommen erfaßt, ihm' heraushebt aus dem uns fremden Milieu und feste Wurzeln schlagen läßt iati unserer Gemeinschaft. In der Korporation sollte der Aktive die nationale Gemeinschaft erleben, in der Korporation sollte er auch Freundschaft fürs Leben finden. Nur in einer solchen nach innen fest zusammen- und nach außen abgeschlossenen Gesellschaft glaubten wir unser Erziehungsprogramm gegenüber den feindlichen Tendenzen des Milieus verwirklichen zu können. Der Grundgedanke dieser Anschauung ist noch heute richtig. Auch1 heute noch brauchen wir (d ie eng verbundene Gemeinschaft. Aber wenn wir die Ergebnisse unserer Arbeit in den letzten zehn Jahren übersehen, dann können wir uns der Erkenntnis nicht verschließen, daß das System der korporativen Abschließung in der von uns gewählten Form auch schwere Mängel gehabt hat. Uns schwebte vor, daß der aus der Korporation hervorgehende Inaktive und Alte Herr zwar noch den Zusammenhang behalten würde mit der Korporation, daß er nunmehr aber hineinwachsen würde in die allgemeine jüdische Be* wegung. Es hat sich aber gezeigt, daß, es sehr vielen Bundesbrüdern, die sicih als Aktive durchaus bewährt haben und an deren zionistischer Gesinnung (nidit gezweifelt werden kann, nicht gelungen ist, den Zusammenhang mit der zionistischen Organisation oder mit der jrifationaljüdischen Jugendbewegung zu finden. Dies sei hier frei * herausgesagt, unbekümmert darum, daß man in dieses Zugeständnis einhaken und nun einer bestimmten Richtung vorhalten wird, sie gebe also zu, Fiasko gemacht zu haben. Nein, wir sind auf dem richtigen Wege gewesen; es soll aber hier auf diese Dinge nicht eingegangen werden, da es nicht darauf ankommt, Vergangenes zu rechtfertigen, sondern lediglich Wege für die Zukunft zu finden. Wir müssen versuchen, die straffe korporative Erziehung mit der Arbeit außerhalb der Korporation in der allgemeinen jüdischen Bewegung zu vereinen. Wir müssen uns vor den beiden Extremen hüten: wir dürfen uns nicht auflösen in eine lose Gemeinschaft von Interessenten für jüdische Volksangelegenheiten und wir dürfen uns nicht einkapseln in eine exklusive Gesellschaft, die keinen lebendigen Zusammenhang hat mit der großen jüdischen Volksbewegung. Wie ist das uns vorschwebende Ziel zu erreichen? Wir brauchen Erziehungsarbeit in der Korporation und korporative Arbeit außerhalb der Korporation.

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