Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student blutleer. Das Wenige, was er zu diesem Punkte sagt, macht, mißtrauisch: „neben Judaica, die allgemeinen Fragen" — auch hier können wir nicht zustimmen; für uns gibt es kein Neben-, nur ein Ineinander, auch wir wollen eine Bereicherung unserer Persönlichkeit durch Schönheiten der Kunst oder vermehrtes Verständnis für wissenschaftliche, politische und soziale Fragen, das bedeutet uns aber — ohne jede Künstelei — eo ipso eine Steigerung unseres Zionismus und das „neben Judaica" sagt zu wenig, um unseren Zweifel an dem Willen zu intensiver jüdischer Erfüllung der Freischar zur Ruhe zubringen. Marcus' Feder entschlüpft eine Zeile wie die von der Verjüngung der Freischar „durch Elemente aus Blau-Weiß oder Wandervogel und ähnlichen Kreisen"*. Für ihn bedeutet also die Gemeinsamkeit einzelner äußerer Formen so sehr die Hauptsache, so daß er im ehemaligen Wandervogel ein besonders geeignetes Mitglied der Freischar erblickt, daß er nicht sieht, wie gerade zwischen Wandervogel und Blau-Weiß eine Welt liegt, wie erst der belebende Inhalt —bei uns die jüdische Stimmung, der jüdische Wille, dort das Deutsche—den Charakter der beiden Jugendbünde ausmacht Marcus steht hier allein; im Blau-Weiß ist kein Verständnis für die Anbiederung mit Wandervögeln, allen ist die Erkenntnis gekommen, daß die eifrige Beschäftigung mit Vortruppbewegung, Hellmuth Harringa und Antialkoholismus — wie sie Marcus treibt—eine Verkennung unserer eigenen Lebensfragen, kurz gesagt, Assimilation ist, und der Lockwitzer Blau-Weiß-Tag stand im Zeichen der Abkehr von Wandervogelnachahmung und Lautenbänderromantik. Man sehe sich den letzten Jahrgang der Blau-Weiß-Blätter an und vergleiche diesen mit den Marcusschen Geist atmenden Aufsätzen des Tagebuchs, die noch immer unsere geistige Abhängigkeit von der deutschen Jugendbev/egung predigen, noch immer nicht den Blau-Weiß in den Strom neuen jüdischen Lebens einreihen, ihn noch wie am ersten Tag als Ableger der Freideutschen Jugend ansehen. (Man l£se Glasers ausgezeichnete Kritik in den Blau-Weiß-Blättern, man frage unsere aus dem Blau-Weiß stammenden Füxe, deren Briefe an mich alle auf den Ton schroffster Ablehnung des Marcus-Buches gestimmt sind.) Worauf es mir in diesen Zeilen ankam, das war zu zeigen, daß Marcus weder im Namen noch im Sinne der Jugend spricht, und daß die Entwicklung des Kartells, die auch wir aus .Liebe zum K. J. V. fordern, sich in einem ganz anderen Geiste vollziehen wird.