Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537724--3990-3541731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student .529 letzten Schliff zu geben. Unjugendlich und unzionistisch erscheint mir Marcus' Verzicht auf Keilarbeit; der Zionismus ist nicht allein eine individuelle Angelegenheit, sondern es liegt in seinem Wesen als soziale Idee, sich durchsetzen zu wallen. Dieser richtig verstandene Zionismus treibt uns, ihm tieüe Anhänger zu werben, seine Kraft und Richtigkeit sich bewähren zu lassen, für das Kartell als akademisch-zionistische Arbeitstätte zu keilen. Eine Gemeinschaft, die auf dieses Gewinnen neuer Menschen verzichten kann, wie es die Freischar im Projekt tut, beweist damit ihren Mangel an zionistischer Schwungkraft, beweist, daß sie ihr Lebensrecht nicht aus dem seiner Natur nach aktiven Zionismus herleitet. Das aber ist überhaupt mein immer wiederkehrender Einwand gegen Marcus — aus seinen Zeilen spricht kein zionistischer Wille: „Die Freischar ist . . . nichts als jüdisch," dieses „jüdisch" als Gegensatz zu zionistisch! Für uns gibt es eine derartige Unterscheidung nicht, unser Jüdischsein heißt da, wo es sich willensmäßig ausdrückt, zionistisch, und wir verlangen allerdings von unserem Bundesbruder Stellungnahme. Nicht beim Eintritt die endgiltige Entscheidung, aber wir fordern von ihm, daß er in dieser Zeit höchster jüdischer Not nicht schwächlich beiseite steht, uns erscheint es als männliche Pflicht (es ist nicht veraltetes Studententum, daß wir eine Organisation von.Männern sind!), sich für den Weg jüdischen Lebens zu entscheiden. Wer das nicht kann, er mag sonst noch so sympathisch sein, der muß im Interesse unserer eigenen Arbeit und zur Aufrechterhaltung der „dicken zionistischen Luft" heraus. Jeder soll Zeit zur Entwicklung seines Zionismus haben, aber (dies zur Programmfrage) er hat von vornherein zu wissen, was wir schließlich von ihm erwarten Wenn der als Beispiel zitierte Blau-Weiß „nichts als jüdisch" ist, so, weil er es mit Menschen zu tun hat, denen er aus inneren und äußeren Gründen die Entscheidung noch nicht vorlegen darf. Die aller - schlimmste Verkennung der Begriffe der Erziehung im K. J V. (und im Blau-Weiß) aber liegt in der Gegenüberstellung von nur jüdischer Erziehung im K. J. V. zu der des Menschen in der Freischar (angeblich wie beim Blau-Weiß). Wir, -ich und meine Freunde, hatten gehofft, daß derartige Sätze nach den Debatten im Blau-Weiß dort nicht mehr gesagt werden könnten. Und nun stellt der älteste Blau-Weiße wieder einmal menschliche und jüdische Erziehung als zweierlei Möglichkeiten auf! Wir halten das für ebenso absurd, wie etwa den Gedanken, Fichte wolle nur Deutsche, nicht Menschen erziehen. Menschliche und jüdische Erziehung sind nicht zu trennen, unser Ziel ist der jüdische Mensch. Eine Frage, die wie der Zionismus den Einzelnen in all seinen Beziehungen packt, ihn in allem — selbst «der Ehe — zur Verantwortung vor dem zionistischen Gewissen zieht, die in solchem Maße sittliche Angelegenheit ist, verlangt