Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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528 Der Jüdische Student Marcus stellt gedruckt die tatsächlichen — nach seiner Meinung tatsächlichen — Lebensbedingungen und Zustande des Kartells, die er oft durch politische, also häßliche Notwendigkeiten gerechtfertigt sein läßt, den idealen . Forderungen seiner Freischar gegenüber. Er gelangt so zu einer Anzahl Antithesen* K.J. V.: Schematisierung—Freischar: Differenzierung, Sammelprinzip—Auswahl, wahllose Keilarbeit-harmonische Ergänzung, zionistisches Kartell—jüdische Freischar, nur jüdische Kartell — aber menschliche Freischarerziehung, Studentenorganisation Lebensgemeinschaft, Kadavergehorsam hier (bei der Schilderung der Macht des Präsidiums blieb kein Auge trocken) — freie Entwicklung dort. Wie man sieht, eine ganze Reihe miesser —oder wenigstens in Marcus Augen miesser—Dinge als K. J. V.- Eigentümlichkeiten und ebenso viele schöne oder schönklingende als Freischarprinzipien. Meine Gegnerschaft beginnt gleich bei den ersten Behauptungen. Ich bin im Gegensatz zu ihm für ein einiges Gesamtkartell, weil ich glaube, daß nur dieses unter Vermeidung aller unnötigen Reibungen Stoßkraft nach außen haben wird; weil ich erwarte, daß in einem so großen Kreise die geistigen Kräfte sich am besten auswirken können und sich so innerhalb des K. J. V. fruchtbare Differenzierungen mit Notwendigkeit, nicht aus Berechnung auf die Außenweit und zur Rechtfertigung der Existenzberechtigung (wie oft zu Lebzeiten der beiden Kartelle) leichter ergeben werden als in konkurierenden Verbänden. K. j. V. und B. J. C haben sich als solche in Wahrheit mehr geglichen als etwa V. J. St., Maccabaea oder Hasmonaea und eine Provinzverbindung, und es bereiten sich schon heute, wie ich zu erkennen meine, neue wertvolle Typen unter unseren Korporationen vor. Ich glaube allerdings, daß das K. J. V. die Aufgabe hat, alle brauchbaren Elemente zu keilen, aber das Wort brauchbar schränkt den Kreis bereits genügend ein. Menschen,, die die Größe des zionistischen Gedankens nie werden verstehen und mitleben können, sind nicht zu werben oder, falls sich ihre Unbrauchbarkeit erst später herausstellt, rücksichtslos wieder abzugeben — wie ja auch das K. J. V. Berlin in der letzten Zeit vorgegangen ist. In der Exclusivität a priori aber sehe ich einen Mangel an zionistischem Verantwortungsgefühl— das Kartell, jede Korporation hat eine Erziehungsaufgabe, die man sich nicht durch bequeme Auswahl zu leicht machen darf.. Wir dürfen ein aristokratisches Zielprinzip haben, ich würdige., eine Forderung, die nur gute K. J. V.-er als Alte Herren sehen will, nicht aber exclusive Aufnahmegewohnheiten, die die Zurückstossung unerzogener, aber erziehbarer Menschen zur Folge haben müssen. Wahrer pädagogischer Ernst und richtig verstandener Korporationsehrgeiz müssen sich bewähren und um die Menschea ringen, nicht sich damit begnügen, bereits gut Erzogenen einen.