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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 56)
Language
German
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526 Der Jüdische Student das Paradies des Volljudentums hinüberzuretten vermöge. Ich betreibe gewiß mindestens ebenso intensiv wie einer von Euch dieselben Dinge und doch erscheint mir Eure Atmosphäre so unsäglich dumpf, daß ich wieder nicht anders kann, als das Wort von der Chederluft hierherzusetzen, (auch auf die Gefahr hin, deshalb wieder gerüffelt zu werden). Feindseligkeit, Überhebung und Dumpfheit — das scheinen mir die Hauptkennzeichen des herrschenden Geistes zu sein. Und wie ich sie darzustellen strebte, drängten sich mir ungewollt immer dieselben Vergleiche aus kirchlichem Vorstellungskreise auf. ich wollte andere wählen und kam immer wieder auf diese, bis sich ergab, daß es sich hier um mehr handelt als um einen Vergleich. Wir sind tatsächlich im besten Fahrwasser, eine Sekte zu werden. Aber diesen Luxus können wir uns nicht gestatten. Ich will in diesem Rahmen garnicht davon sprechen, daß es unmöglich Aufgabe des deutschen Zionismus sein kann, einen Kreis exklusiver Adelsmenschen durch Präparate zu züchten, d. h. im Bestreben nach national-kultureller Vertiefung den Blick für die wesentlichen polifisch-wirtschaftüchen Aufgaben zu verlieren, die Verbreitung erfordern. Obschon man auch davon in diesem Kreise sprechen könnte, der als ein Bund von tausend Akademikern den deutschen Zionismus schlechthin repräsentiert. Aber ich will beim^Thema bleiben. Es ist wirklich nicht angängig, daß durch das feindselige uud überhebende Treiben einer Gruppe eine andersgesinnte in die Opposition getrieben und daß dadurch in einem inraren Kampfe, (dessen irinn Außenstehende überhaupt nicht begreifen würden), die besten Kräfte verzettelt werden. Haben wir dazu die Fusion betrieben, damit heute eine ebenso krasse Scheidung zwischen den wahrhaft Innerlichen und denen mit dem kleinen Innenbezirk besteht? Und dies in einem Moment, wo durch die Erlebnisse dieses Krieges Ungezählte zu uns kommen werden, die noch keineswegs Zionisten, aber gut vorbereitet sind, von unseren Ideen ergriffen zu werden. Ich glaube nicht, daß wir sie gewinnen können, wenn wir ihnen mit Heilsforderungen kommen, die bei uns selbst das Ergebnis langjähriger Entwicklung sind; wenn wir mit dem Geiste fanatischer und anmaßender Unduldsamkeit ihre Motive beschnüffeln; und.1 wenn wir ihnen auf unseren Tagungen nichts Besseres zubieten, haben als innere Kämpfe. Zur Einigung ist es nie zu spät. Und mir scheint, siekann mit Leichtigkeit erziehlt werden . . . nicht etwa durch geringere Intensität der Arbeit, aber durch eine sehr viel geringere der Forderungen, was allerdings zur Voraussetzung hat, daß» ein bescheidener, duldsamer und innerlichheiterer Geist an die: Stelle des gegenwärtig herrschenden tritt. I

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