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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 55)
Language
German
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Der jüdische Student 525 dernde Revolutionierung als es heute ist, wenn man in guten Kursen Geschichte und hebräisch betreiben darf. Nun wähnt sich allerdings jede Jugend als Gipfel und ist es in gewissem Sinne auch. Man wird deshalb hier seine Vorwurfe mehr gegen die Älteren zu richten haben, die es besser wissen müßten und die Jüngeren durch nachdrücklichen Hinweis auf die Relativität dieser Gipfelstellung zur Bescheidenheit erziehen sollten, statt »das Geschrei von ihrer überragenden Bedeutung noch zu vermehren. Überhaupt das Geschrei. Mir jedenfalls ist in meiner Korporationspraxis bisher noch nicht begegnet, daß ein solcher Lärm um eine Sache gemacht wäre. Das klingt aus Prä>idial- und Verbindungsberichten, aus Rundschreiben und Artikeln: siehe, wir haben das Heil erfaßt und mühen uns unter Opfern, es zu erringen. Aber gerade dieses Getöse macht mich stutzig. Denn derart wären nicht die Aeußerungsformen eines Geistes, dem diese Arbeit Gegenstand freudiger Selbstverständlichkeit wäre. So sprechen Menschen, die um des Heiles willen Opfer bringen. Und vielleicht sind sie gerade hierin am meisten von ihrem Programmatiker geschieden. Was er fordert, das ist die Hingabe. Da dies aber keine Forderung sein kann, wird für -andere daraus Aufopferung. Sich hingeben d. h aus der Selbstverständlichkeit drängendsten Triebes heraus in einer Sache sich ^verlieret!. Sich aufopfern d. h. sich selbst entäußern um eines Zweckes willen Hoffentlich irre ich mich,; aber ich kann mir nicht helfen: mir klingt aus der Mehrzahl all dieser Kundgebungen etwas Mühsames und Zerquältes; etwas Zergrübeltes und Dumpfes. Ich habe beim Lesen immer die Empfindung, daß dem Schreibendem der Schweiß am Körper entlangläuft, während er sich um das Heil seiner jüdischen Seele müht. Mir war bisher immer der Zionismus als etwas unsagbar Heiteres, Lachendes und Befreiendes erschienen. Und seine großen und hohen Forderungen haben mir den Blick nur erhellt, weil es <eben jene Forderungen waren, die ich meiner Natur nach an mich stellen mußte, um leben zu können. Von Euch aber habe^ ich den Eindruck, daß Ihr Euch Eure Welt mit Forderungen verfinstert; daß Ihr Euch nazarenisch diese Welt verdunkelt, um das Heil jener zu erlangen. Aber steht es denn, um Himmels willen, wirklich so schlimm um Eure jüdische Seele? Oerade Ihr, die Ihr Frische unb Ursprünglichkeit (auch wieder als Forderungen) auf Eure Fahne geschrieben habt — warum wirkt Ihr denn auf mich so sehr als zerkuirschte Büßer? Habt doch einmal den Mut zu Eurer Jüdischikeit wie sie ist Gewiß nicht, um ein bequemes Ja und Amen dazu zu sprechen; aber, ♦doch auch nicht von vornherein mit der finsteren Überzeugung *daß sie rettungslos der Hölle der Assimilation preisgegeben sei, sofern man nicht durch Askese und Gebetsübung sie in

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