Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 523 diesen bestehenden Menschen zu einem intensivierten und konkretisierten und wesenhaften (und ich weiß nicht, was sonst noch) umzuwandeln gedenken. Diese glücklichen Menschen sehen in greifbarer Nähe vor sich das Heil und wissen, daß man seiner durch die umgestaltende Wirkung des Studiums teilhaftig werden kann. Sie können von ihrem Standpunkt aus also auch gar nicht anders, als von jeglichem ohne Unterschied ein sehr hohes Mindestmaß gerade dieser spezifischen Arbeit kategorisch zu fordern. Das wäre noch kein Unglück, wenn nicht aus dieser Art der Einstellung in ihren weiteren Folgen eine feindselige Ausschließlichkeit, eine anmaßende Überhebung, eine asketische Dumpfheit und im ganzen eine sektiererische Stimmung erwüchse, die mir wirklich die Einheit unseres Kartells aufs bedenklichste zu gefährden scheint. Dabei bleibe in diesem Zusammenhang der Meister selbst ganz aus dem Spiele. Auch wer ihn als Programmatiker ablehnen muß, weil er seine eigene Person mit ihren besonderen geistigen (und materiellen!) Bedingungen zum Maßstab der Dinge macht, wird freudig anerkennen, daß hier einer nach ernsthaftem und langwierigem Ringen Dinge verkündet, die unmittelbar und wahrhaftig aus den Notwendigkeiten seiner Natur erwachsen sind.*) Und wird sich sagen müssen, daß jeder, der einer ist, schließlich auch das gute Recht hat, die Dinge nach seinem Bilde gestalten zu wollen (genau wie es das gute Recht der anderen bleibt, sich gegen eine ihrer Natur wiedersprechende Zwangsgestaltung zur Wehr zu setzen). Dem Evangelisten also lasse man sein Recht widerfahren; bleibt die unausstehliche Zahl der Jünger, die das Produkt seiner lange Jahre währenden Entwickelung fix und fertig übernahmen, um es zum Dogma zu erheben. Dabei gehen sie den umgekehrten Weg wie der Meister. Denn es ist nicht anders denkbar, als daß er, von seinem jüdischen Interesse geleitet,, sich mit den Dingen befaßte, bis ihm aus ihnen, seinen Fähigkeiten gemäß, eine neue Welt aufging. Sie ergreifen die Dinge, damit ihnen eine neue Welt aufgehe und zwar eine, die sie sich vorher haben beschreiben lassen. Für ihn wurde es ein Heil, wie ihm natürlich und unbewußt die Revolutionierung seiner bisherigen Auffassung erwuchs. Für sie steht der fertige Heilsbegriff am Anfang, und sein natürlicher Weg ist für sie allgemein verbindliche Lehre, Daraus entsteht das Dogma und das *)Ja, lieber B 1 u m e n f e 1 d, ich erkenne an und lehne ab. Ich erlaube mir, in diesem Falle vom Segnen und Fluchen abzusehen. Ich glaube jedoch, daß ich, wenn es darauf ankommt, zum Segnen und Fluchen genau so imstande bin wie Du und Ihr alle. Das tönende Pathos macht es wahrhaftig nicht. Aber so ist Eure hassenswerte Methode: bei abweichenden Meinungen werdet Ihr^ilugs zu Spezialpächtern der wahrhaften Innerlichkeit