Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 521 ist der einzig wesentliche und zukunftskräftige Teil des ganzen Programms. Welche Möglichkeiten hierfür wir heute bereits haben oder schaffen können, ist in diesem Zusammenhange nicht zu erörtern, sondern nur festzustellen, daß auch für die Möglichkeiten, die uns allen ohne weiteres gegeben sind, jüdische Kenntnisse eine unumgängliche Voraussetzung bilden, Wie sollten wir schon unser Leben im engsten Rahmen, in Ehe und Freundeskreis, als ein jüdisches bezeichnen dürfen, wenn wir nicht unsere Feste zu begehen und ihre Weihe zu erleben vermögen, wenn wir nicht vor unseren Kindern Gestalten aus Geschichte und Sage unseres Volkstums erstehen lassen können? Ich glaube nicht, daß es durchweg Irreligiosität ist, die uns von unseren Festen fernhält; ich glaube vielmehr, daß es die aus unserer Unkenntnis stammende Fremdartigkeit der Gebräuche ist. Und dann vor allem die Kinder: vielleicht läßt sich doch in sie als ein Fundament senken, was für uns noch ein Bau bleibt. Ich überschätze das allerdings nicht. Im Grunde werden sie, die hier erwachsen, sich noch ziemlich vor dasselbe Problem gestellt sehen wie wir. Aber dann müssen wir uns sagen können, daß wir das Unsrige, ihre Entscheidung zu bestimmen, redlich getan haben. Und weiter: jeder Versuch zu einem auch noch so lose gearteter Zusammenhang mit Ostjuden wird scheitern, wenn wir nicht über die nötigen Kenntnisse verfügen. Man lese etwa Felix Rosenblüths Feldpostbriefe aus dem Osten in den Blau-Weiß-Blättern: wie er das Vertrauen dieser Menschen durch Kenntnisse erwirbt; wie er durch Kenntnisse in sonst Westjuden verschlossene Intima ihres Daseins einzudringen vermag. Alles in allem: in der Bedeutung für ein jüdisches Leben sehe ich den Wert unserer Kenntnisse; aber auch nur hierin. Und nur im Zusammenhang mit diesem Punkt, als eine (und nicht einmal die bedeutendste) Unterabteilung desselben, darf von meinem Standpunkt aus das Lernen als Forderung erhoben werden. Und wie dann das Leben seinerseits sehr langsam und allmählich, dabei sicherlich uns allen unbewußt, eine innere Umgestaltung mit uns vornimmt, die auf künstliche Weise weder erreichbar noch wünschenswert ist, das überlasse ich ohne Kopfzerbrechen der wandelnden Zeit. II Gleichviel: in der Praxis — scheint es — komme ich auf dasselbe hinaus wie B I u m e n f e 1 d, da ich ja die Notwendigkeit, zu lernen und zu wissen, restlos anerkenne. Und es könnte sich die Frage nach dem Sinn dieser langwierigen Erörterungen erheben; es könnte der Einwand gemacht werden, daß durch sie nichts weiter erreicht wird als diejenigen, die meine Ausführungen für richtig befinden sollten, in ihrem Eifer zu hemmen und ihre Energie durch Zweifel an dem bisher gewähnten Wert