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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 47)
Language
German
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Der Jüdische Student 517 Nationalismus dreierlei: erstens die jüdische Auffassung vom jüdischen Volke und Staate. Aber schon die Ausführungen zu* diesem Punkte gehen wesentlich darüber hinaus. Tatsächlich stellt er die zu gewinnende jüdische Betrachtungsweise aller jüdischen Dinge der europäischen, in der wir befangen sind, gegenüber und damit im Grunde die jüdische Betrachtungsweise von den Dingen überhaupt. Mindestens also hätte er allgemeiner dahin formulieren müssen: jüdische Auffassung jüdischer Dinge. Er fordert zweitens: das Lernen; zumal des Hebräischen und der Bibel. Und drittens: das Leben in jüdischer Gemeinschaft. Aber wie gewinnt man — im Europäischen befangen — die jüdische Auffassung von den Dingen? Da man sie sieb nicht aus den Fingern saugen kann, offenbar doch durch Lernen und Wissen sowie die innige Berührung mit einer natürlichen jüdischen Gemeinschaft. Er hätte also nicht sagen dürfen: iefe fordere erstens und zweitens und drittens. Sondern: ich fordere zweitens und drittens, damit sich erstens ergibt. Erst nach dieser Klarstellung und Umgruppierung ist eine Auseinandersetzung möglich. Im Vordergrunde also steht zunächst die praktische Forderung des Lernens. Von meinem Standpunkt aus erscheint es mir schon ziemlich ungeheuerlich, daß man dafür heute laut die Trommel rühren muß. Wie denn? Akademiker, denen geschichtliche Allgemeinbildung selbstverständliche Voraussetzung ist, die allerhand Griechen und Römer in der Ursprache zu lesen verstehen, und die sich schämen würden, vor englischen und französischen Zeitungen glatt zu versagen die sollte es als Zionisten nicht selbstverständlich treiben, vor allem die Geschichte ihres Volkes zu beherrschen, vor allem das Werk ihrer eigenen, nationalen Größe im Urtext zu lesen und sich durch die Lektüre der hebräischen Tageszeitungen über die Gegenwart ihres Volkes auf dem Laufenden zu halten? Ja, ich gehe von hier aus noch weiter und meine sogar, daß wir auch imstande sein, müßten, das Jiddische zumindest zu lesen und zu verstehen. Denn alles Gerede von dem Zusammenhang mit den Ostjudea bleibt ja Unfug, so lange wir ihre Bücher und Zeitungen nicht lesen und sie selbst nicht verstehen können. Die gemeinsame Basis der Verständigung durch das Hebräische liegt im Ziel, ist doch aber noch lange nicht erreicht. (Und ich lauere nur auf den Kartell - Propheten, der uns auch dies eines Tages mit geschwollenem Pathos als neue Forderung verkünden wird.) Es kann also wohl kaum einer zu der praktischen Arbeit des Lernens auf radikalere Art Ja sagen, als ich es tue. Aber wenn man mir noch vor kurzem, d. h.. vor dieser allgemeinen, Erörterung die Frage vorgelegt hätte, zu welchem Endzweck ich persönlich mich diesen Dingen widme — ich wäre einigermaßen in Verlegenheit geraten. Ich muß nämlich gestehen, daß ich

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