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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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Der Jüdische Student 507 u. a., für die es ein notwendiges Postulat war. eine einheitliche Synthese zwischen Sein und Wirken zu schaffen, sodann Söhne von Ostjuden wie Z 1 o c i s t i, Albert G o 1 d b e r g u. a., für die es noch konkrete Bindungen gab. Ich hatte, als Sohn eines Ostjuden, das Glück, frühzeitig in den Kreis Zlocistis zu kommen und in mir jenen wesenhaften Nationalismus, wie man jetzt sagt, zu entwickeln, der die notwendige Grundlage der jüdischen Zukunft des Einzelnen bilden muß. Ich glaube übrigens nicht, daß etwa nur die veränderte ,.politische*4 Situation den Anstoß zu dieser Entwicklung gegeben hat. Es war vielmehr die Einsicht, daß es nicht „die Masse4' bringen kann, sondern daß es auf die Struktur des Einzelnen ankommt. Um zur letzten jüdischen Einheitlichkeit zu kommen, werden wir dort anknüpfen müssen, wo das lebendige Judentum aufgehört hat. Die Liebe und das Staunen über die Wunder unseres Mythos müssen wieder die Urkräfte unseres Seins werden. Wir müssen uns und vor allem unsere Kinder ganz mit jenem Geiste erfüllen. Deshalb erscheint mir praktisch wichtiger als die Forderung des Hebräisch-Lernens die Schaffung von Kreisen, in denen zunächst nur die Bibel lebendig gemacht wird. Die Leitung eines solchen Bibelkreises müßte freilich ein genauer Kenner des Schrifttums haben. Man wird immer wieder auf die alte Behauptung hingewiesen, die Kenntnis der Originale sei notwendig zum vollen Verständnis. Gewiß! Aber dazu gehört doch bereits die Beherrschung der Sprache. Und dann : Schiller besaß keine Kenntnis des Griechischen und doch, wie hat er sich in die fremde Kultur eingefühlt! Wenn wir nun auch keine Schiller sind, so müssen wir eben das Geniale durch Intimität des Erlebens ersetzen. Ich beabsichtige nicht etwa, mit dieser Auffassung das Studium der Sprache abzulehnen. Durchaus nicht! Ich warte hier schmerzlich auf den Rath und freue mich auf die Zeit, wo ich mit meinen Kindern Hebräisch treiben werde. Aber vergeßt auch das Eine nicht: man kann voller historischer Kenntnisse sein, man kann Hebiäisch sprechen, man kann selbst in Palästina wohnen und besitzt doch nicht die rechte „Jüdischkeit" E Vor allem ist es wichtig, daß die Bibel im Hause die Bedeutung bekommt, die aktive Wirksamkeit ausübt, wie in früherer Zeit. Es kommt nicht darauf an, daß im Hause alle rituellen Gebräuche gewahrt werden. Wer sie nicht mit echter Wahrhaftigkeit beleben kann, der unterläßt es lieber, weil diese gewollte Unwahrhaftigkeit nur zur Unsicherheit und Zweifeln* führt. Doch die Bibel muß so ganz wieder unser Besitz:, werden, daß wir und unsere Kinder in unserem Tun und Denken völlig von ihr beherrscht werden. Aber noch ein Negatives erscheint mir notwendig. In den- Lebensjahren, in denen die kindliche Seele zum größeren Be~

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